Es ist ein bisschen wie in der 90er Krimiserie "Alles ausser Mord". Die Hauptfigur, der Privatdetektiv Uli Fichte, übernimmt alle Fälle - ausgenommen Mordfälle. Nur irgendwie werden aus harmlosen Beschattungen untreuer Ehegatten dann irgendwie doch wieder Mordfälle. Genauso geht es mir mit der Technik. Eigentlich möchte ich gar nicht ständig Technik testen, ich möchte nur ein gutes Gerät kaufen und informiere mich vorher ausgiebig im Netz. Irgendwann bin ich mir dann sicher, welches Gerät ich möchte und kaufe es. Und damit geht es dann los - das Gerät entspricht nicht meinen Vorstellungen. Ich kaufe ein anderes, aber das ist es dann auch nicht. Und am Ende habe ich wieder einen Vergleichstest gemacht. So war es auch dieses Mal wieder.
Mein alter Panasonic Plasma stand zur Ablösung an: nur 42'', kein Full-HD, kein DVB-C/S, kein 3D - genug Gründe um über ein Update nachzudenken. Zunächst stand die Auswahl des passenden 3D-Verfahrens. Derzeit konkurrieren die Polfilter- und Shutter-Brillen Verfahren miteinander. Auf dem Papier haben die Polfilter-Systeme deutliche Vorteile. Die Brillen sind passiv, brauchen keinen Strom und müssen somit auch nicht aufgeladen werden. Dafür reduziert sich im 3D-Modus die Zeilenauflösung um die Hälfte, was man aber in 2-3 Meter Entfernung nicht wahrnehmen kann. Die Shutter-Brillen hingegen brauchen Strom, sollten vor dem Filmgenuss als aufgeladen werden. Sie sind schwerer, unbequemer und viel teurer. Selbst die günstigen Brillen von Fremdherstellern wie z.B. Hama kosten 50-60 Euro pro Stück, so dass sich für eine vierköpfige Familie noch mal über € 200,- auf den Kaufpreis addieren. Ein Vergleich der 3D-Qualität im Fachmarkt zwischen eine LG sowie zwei doppelt so teuren Geräten von Samsung und Panasonic zeigte deutliche Unterschiede. Der 3D-Effekt des Polfilter-Gerätes war um Längen besser, als das was die Spitzengeräte der Shutter-Fraktion zu bieten hat.
Also sollte es ein 3D-TV mit Polfilter-Technik werden. Da fällt die Auswahl wiederum leicht. Bislang gibt es nur entsprechende Panels, die in Geräten von Philips, Toshiba und eben LG verbaut werden. Somit braucht man sich nur noch für die entsprechende Bildschirmdiagonale und Ausstattung entscheiden und schaut dann bei welchem Anbieter sich das beste Angebot findet. Auch wenn natürlich das Panel nicht alleine für die Bildqualität entscheidend ist, so scheint sich nach allen Tests die ich gesehen habe die Bildqualität der Geräte mit LG 3D-Panel nicht sonderlich zu unterscheiden.
Die Entscheidung fiel auf den LG 47LW5590, ein Gerät das bis auf DVB-S alles hat was LG zu bieten hat. Im 3D Direktvergleich mit Panasonics wesentlich teureren
VT-Serie hatte der LW die Nase so weit vorne, dass man hier von einer
neuen Generation von 3D-Technik sprechen kann. Im Gegensatz zu der
Shutterbrillen-Fraktion, welche im 3D-Betrieb durch die Brille dunkler
und unschärfer werden, wird das Bild durch die polarisierenden Brillen noch definierter. Zu allem Überfluss
kommt das Gerät gleich mit 7 Stück davon. Da können die Kinder gleich
noch ein paar Freunde zum 3D kucken einladen. Und für alle die 3D nur
aus dem Kino kennen: obwohl auch im Kino mit Polfilter-Brillen
gearbeitet wird, ist das 3D-Bild der LW-Serien deutlich besser. Wer ein
Gerät mit Schwerpunkt auf 3D legt, für den ist LG's Cinema-3D Serie eine
klare Empfehlung.
Ebenfalls ganz hervorragend ist die Entspiegelung. Ein dermassen gut
entspiegeltes Gerät hatte ich bislang noch nicht und auch im Fachmarkt
im Vergleich an einer langen Wand unterschiedlicher Fernseher ist der LW
auffällig gut entspiegelt.
Der Sound wurde teilweise bemängelt. Für ein Gerät mit solch
einem dünnen Gehäuse ist der Klang nach meiner Meinung aber völlig in Ordnung. Das reicht für die
Nachrichten genauso wie die Unterhaltungssendung. Für den Heimkinoabend
nimmt man dann halt die Surround-Anlage, aber das gilt eigentlich für alle Flachbildschirme. Auch die Schärfe ist absolut OK, und wenn man die ganzen Bildverschlechterer abschaltet ist das Bild grundsätzlich recht ordentlich.
Weniger schön ist der Fuss des LW5590. Auch bei nur vorsichtiger Berührung fängt der LG auf seinem Fuss an zu schwanken, dass es einen an der Standfestigkeit zweifeln lässt. Das war für mich kein Problem da er bei mir an der Wand hängt, aber wenn der 5590 auf dem Fuß stehen soll, sollte er gut geschützt stehen.
Der Haken kommt zum Schluss: die ganze Serie hat einen stark
eingeschränkten Dynamikumfang. Lt. ct' beträgt der in-Bild-Kontrast sogar nur ca. 650:1, was
überwiegend an dem extrem schlechten Schwarzwert liegt. Der LW kann
zwar ein bisschen local dimming, was das Problem etwas mildert, aber als edge
LED kann er das eben nur zeilenweise. Das gibt dann merkwürdige Effekte
z.B. im Abspann. In den Zeilen, in denen Schrift ist, ist dann auch der
eigentlich schwarze Hintergrund dann heller. Trotzdem sollte man das
local dimming eingeschaltet lassen, sonst fällt der geringe
Dynamikumfang allzu deutlich ins Gesicht.
Auffällig ist der geringe Dynamikumfang bei Bildern, die eben eine
hohe Dynamik zeigen. Z.B bei Bühnenshows, wo ein Teil des Bildes
eigentlich im dunkeln liegt, während das Geschehen auf der Bühne hell
beleuchtet ist. Oder z.B. auch bei Boxkämpfen. Wenn der
Ring hell ausgeleuchtet ist, schafft der LW es nicht, die weiter hinten
liegenden Zuschauerränge richtig dunkel darzustellen. Das ist dann zu
hell im Dunkeln, es wirkt so als läge da ein Grauschleier drüber. Um das in
die richtige Relation zu setzen: natürlich ist ein LED/LCD kein Plasma
und hat prinzipbedingt Einschränkungen im Dynamikumfang. Aber auch im
Vergleich zu anderen LED's ist die aktuelle LW-Serie einfach ganz
schwach im Bezug auf den Schwarzwert.
Der ganzen Serie wurde auch im Game-Modus ein starker Input-Lag nachgesagt, allerdings soll das durch Firmware-Updates behoben worden sein. Ich bin dem jetzt nicht mit Messequipment zu leibe gerückt, aber mir ist kein Input-Lag aufgefallen. Ich gehöre allerdings auch nicht zu den Spielern, die von sich behaupten einen Input-Lag im Millisekunden-Bereich mit blossem Auge wahrnehmen zu können.
Die Bedienung wurde auch häufig kritisiert. Ich fand sie nicht so schlecht, aber LG hat hier ihr SmartTV-Konzept etwas zu sehr
in den Vordergrund gerückt. Man muss schon ein Stück weit durchs Menü
navigieren, um z.B. die Helligkeit einzustellen. Gut hingegen ist dann
wieder die DLNA-Funktionalität umgesetzt. Meinen WDTV und meine
Linkstation fand der 5590 sofort und spielte alles anstandslos ab.
Der Slot für die CI+ Karte hat zu viel Spiel, die Karte hier
einzusetzen ist eine fummelige Angelegenheit. Ob das alle Modelle
haben, oder nur meines da schlecht war, weiss ich natürlich nicht.
Mit allem hätte ich wohl noch leben können. Aber mein 5590 hatte
starkes Clouding, welches erstaunlicherweise mehr wurde, während er
einfach nur an der Wandhalterung hing. Auch leuchteten links die LED's
schon leicht aus dem Rahmen raus, weshalb ich links am Bild einen
Lichtstreifen hatte.
Das ist in dieser Ausprägung natürlich ein Defekt, und ein mängelfreies Gerät würde hier sicherlich besser abschneiden. Aber im Netz findet man viele Hinweise auf Cloduing bei den LG Edge-LED's.
Es ist jetzt schwer, für den 47LW5590 eine sinnvolle Bewertung zu vergeben. Super 3D, hervorragende Entspiegelung, gute Ausstattung, aber
geringer Dynamikumfang und starkes Clouding.
Wer einen Schwerpunkt auf 3D-Darstellung hat, kommt an LG's Cinema 3D nicht vorbei. Ich persönlich nutze meine TV aber zu mindestens 95% in 2D. Das mag sich in den nächsten Jahren ändern, wenn mehr 3D-Material vorliegt. Aber aktuell und noch für mindestens 2 Jahre steht für mich 2D im Vordergrund und dafür gibt es deutlich bessere Geräte.
Da mich als Plasma-verwöhnten Anwender beim LG neben dem Clouding hauptsächlich die auffällig flauen Kontraste gestört haben, sollte es dann doch wieder ein Plasma werden. Und da mich die verspielten Menüs der Koreaner stören, war ich dann doch wieder ganz schnell bei Panasonic.
Aktuell ein überraschend günstiges Angebot ist der Panasonic TX-P50UT30, ein Gerät welches bei Amazon fast nur 5-Sterne Bewertungen bekommt. Also wurde dies mein nächster Versuch. Auf den ersten Blick war
der UT30 umwerfend, so eine hervorragende Bildqualität kannte ich bislang noch von keinem Gerät.
Die Ernüchterung kam dann abends, als
wir ein Licht angemacht haben. Dieser Fernseher spiegelt extrem, so
etwas habe ich noch nie bei einem anderen Gerät gesehen.
Dabei ist keine Lichtquelle direkt im Bereich vor dem UT30. Unser
Deckenfluter ist so weit seitlich und hoch aus dem Bild heraus, dass man
die Lampe nicht direkt als Spiegelung sieht. Aber der Raum ist
natürlich etwas ausgeleuchtet, wobei wir beim Fernsehen den Deckenfluter
stark herunterdimmen. Aber das ist schon zu viel für den UT30. Und er
hängt an der gleichen Stelle wie meine vorherigen Panasonic Plasmas, bei
denen die Spiegelungen zwar auch vorhanden waren, aber eben sehr viel
schwächer. Ich dachte, mit einem Panasonic Plasma kann ich nicht viel
falschmachen, und abgesehen von der Spiegelung ist das auch ein ganz
hervorragendes Gerät. Aber so geht das überhaupt nicht. Ein Vergleich im Fachmarkt brachte dann auch die Bestätigung. Im Vergleich mit ungefähr 50 ausgestellten Geräten war kein zweites zu finden welches dermassen stark spiegelt.
Unterm Strich ist es ein hervorragendes Gerät für alle, die nur in völlig abgedunkelten Räumen den Fernseher benutzen. Für alle anderen ist es praktisch unbenutzbar, ich habe das Gerät wieder zurückgeschickt.
Ein Telefonat mit dem technischen Service von Panasonic brachte dann auch Klärung. Die höherwertigen Modellreihen ST, GT und VT besitzen einen zusätzlichen Kontrastfilter, der auch die Reflexionen mildert. Dieser fehlt der UT-Serie.
Da ich mit dem Bild des UT - abgesehen von den Spiegelungen - extrem zufrieden war, sollte es noch einmal ein Panasonic Plasma werden, nur dieses Mal ein Modell mit Kontrastfilter, zu erkennen am NeoPlasma Branding. Ich entschied mich für den P50GT30E und bin davon restlos
begeistert. Das Bild ist einfach umwerfend! So ein gutes Fernsehbild
habe ich noch nie gesehen - Punkt.
Ich ertappe mich dabei, Sendungen im Fernsehen zu
schauen, die mich eigentlich nicht wirklich interessieren, einfach weil
das Bild so toll ist. Castingshows haben teilweise umwerfende Kontraste
und Farben. Und mit richtig gutem Material ist der GT30 einfach nicht zu
schlagen. Z.B. die Anfangsszenen von 'Casino Royale' oder 'Ein Quantum
Trost' zeigen was machbar ist, im THX-Modus kommt wirklich Kino-Feeling
auf. Die Landschaftsaufnahmen in 'Unsere Erde' sahen noch nie besser
aus. Ich persönlich kenne nichts besseres, auch wenn ich natürlich nicht jedes Gerät am Markt kenne.
Die
Bedienung bei Panasonic ist vielleicht ein bisschen altbacken, aber
einfach und gut. Der LG wollte gerne moderner in der UI sein, was aber
am Ende unpraktischer war. Um z.B. beim LG an den Helligkeitsregler zu
kommen, darf man sich mit gefühlt 7 oder 8 Tastendrücken durch mehrere
Menüs graben. Beim Panasonic ist alles schnörkelos, aber einfach und
logisch.
Auch die SmartTV-Funktionen sind sinnvoll. Neben iPad
und MacBook brauche ich nicht so viel davon, aber beispielsweise die YouTube-App
ist richtig gut gemacht. So kann man sich dort mit seinem YouTube
Account anmelden und z.B. direkt auf die eigenen Abonnements zugreifen.
Das können weder AppleTV, WD TV noch der LG LW5590. Auch die Tagesschau
App oder die ZDF Mediathek machen Sinn. Auch hier hat Panansonic das
SmartTV wenig verspielt, dafür aber gut nutzbar umgesetzt.
Der GT30, wie auch der UT30, steht bombenfest auf seinem Fuß. Das ist eine ganz andere Qualität als beim LG. Beim Panasonic müsste man wohl schon sehr kräftig gegen das Gerät treten um ihn zum Schwanken zu bringen.
Die
3D-Funktionalität kommt allerdings nicht mit dem LG mit und die Brillen
sind sündhaft teuer. Aber da ich zu 99% in 2D schaue, kann ich das
verschmerzen.
Schaut man sich z.B. die Bewertungen auf Amazon an oder liesst zum GT30 in entprechenden Foren mit, gewinnt man den Eindruck, dass das Gerät wohl einige Kinderkrankeiten hatte. Diese scheinen aber mittlerweile per Firmware-Update herausgepatcht worden sein. Die ganzen dort beschriebenen Probleme sind mir hier jedenfalls noch nicht aufgefallen. Der TX-P50GT30E ist einfach ein umwerfend gutes Gerät und ein ganz klarer Kauftipp.
Noch ein Tipp: die teuren 3D-Brillen von Panasonic kann man sich getrost sparen, die günstigeren no-Name Universal-Brillen kosten weniger und liefern ein helleres und räumlicheres 3D-Bild.
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