Freitag, 29. Oktober 2010

Testbericht Fujifilm Finepix F300EXR

Nachdem die Samsung WB2000 eine Enttäuschung war, rückte die Canon S95 wieder ins Zentrum meines Interesses. Allerdings hätte ich mit der Kombination S95 und meiner bewährten SX210is keine Kamera mit mehr als 28mm Weitwinkel. Ausserdem nutze ich gerne Kameras unterschiedlicher Hersteller, um einen Vergleich zu haben und nicht markenblind zu werden. Auch wollte ich ungern ganz auf eine Kamera mit Fuji's EXR-Technologie verzichten, der Vorteil beim Dynamikumfang ist schon groß.
Passenderweise brachte Fujifilm gerade die F300EXR auf den Markt, welche von der Spezifikation her einen großartigen Eindruck macht. Wenn diese in der Lage wäre, bei mir die Canon SX210 zu ersetzen, könnte ich die F200 gegen die S95 tauschen und hätte trotzdem noch eine Kamera mit EXR-Technologie und sogar eine mit 24mm Anfangsbrennweite.
Im Netz wurde die F300EXR aber eher niedergemacht, da Fuji diese nicht nur als Nachfolger für die F70/F80 positioniert, sondern auch für die F200. Viele Freunde der F200 hätten sich sicherlich eine nur behutsam verbesserte Nachfolgerin für die F200 gewünscht. Daher war bei vielen die Enttäuschung groß.
Unabhängig von der für viele ungeklärten Nachfolge für die F200, hat Fujifilm mit der F300EXR aber schon sehr viel richtig gemacht. Das beginnt mit dem Gehäuse. Obwohl es komplett aus Kunststoff ist, wirkt es wertig und liegt sehr gut in der Hand. Das schräg gestellte Einstellrad lässt sich gut bedienen. Zusätzlich hat Fujifilm um die Einstellwippe ähnlich wie bei vielen aktuellen Canon-Modellen einen Einstellring positioniert, welcher die Bedienbarkeit weiter verbessert. Auch hat das Gehäuse der F300 einen kleinen Handgriff aus rutschfestem Material und auf der Rückseite eine Daumenablage. Insgesamt ist die F300 erstaunlich handlich und gefällt mir in dieser Hinsicht besser als die SX210.
Ein wirkliches Highlight der F300 ist ihr Objektiv mit einer Brennweite von 24-360mm, mit dem man für den Großteil der fotografischen Situationen bestens gerüstet sein sollte. Leider scheint es bei Fuji wieder eine grössere Serienstreuung bei den Objektiven zu geben, denn im Netz tauchten wie schon bei der F70 und F80 wieder vermehrt Beschwerden über Ecken- und Randunschärfen auf. Meine F300 war jedenfalls diesbezüglich aber völlig in Ordnung.
Ein weiteres neues Feature, mit dem Fujifilm die F300 von der Masse abheben möchte, ist der Phasen-Autofocus, der bei ausreichend Licht den Kontrast-Autofocus ersetzt. Nun gehörte schon die F200 zu den Kompaktkameras mit dem schnellsten Autofocus, aber die F300 konnte in dieser Hinsicht noch mal zulegen und focussiert meistens noch schneller als die F200. Möglich wird dies durch einen neuen EXR-Sensor, der nun auch die Phasensensoren besitzt. Im direkten Vergleich mit der SX210 ist die F300 hier ganz deutlich im Vorteil. Auch bei spontanen Schnappschüssen sass der Fokus der F300 praktisch immer auf Anhieb und so schnell dass man es praktisch nicht mehr wahrnimmt. Die SX210 hingegen braucht dafür merklich länger und gerade bei Schnappschüssen von bewegten Objekten traf die SX210 nicht immer ins schwarze. Bei der F300 hatte ich bei hunderten von Aufnahmen genau eine einzige Fehlfokussierung, was für eine Kompakte ganz hervorragend ist.
Die F300 verfügt über einen im Gegensatz zu den Vorgängermodellen wesentlich verbesserten Bildschirm, der mit seinem hohen Kontrast und der geringen Blickwinkelabhängigkeit auch besser ist als das Gegenstück der SX210.

Der Zoommotor der F300 ist schnell und gut dosierbar. Überhaupt ist die F300 in jeder Situation schnell. Menü, Fokussierung, Zoom, Bildspeicherung: die F300 macht mit ihrer hohen Geschwindigkeit viel Freude. Das etwas altbackene Menü der Fuji’s wird zwar regelmässig kritisiert, mit der schnörkellosen Bedienung komme ich persönlich aber besser zurecht als mit der neuen Generation der Canon-Menüführung. Gerade das f-Tasten Menü bietet in jeder Situation direkt die sinnvollen Einstellungen an.
Bei der Bildqualität ergibt sich ein gemischtes Bild. Zunächst hat Fuji eine höhere Farbtemperatur gewählt, als bei den Vorgängern. Zwar gehören damit die teilweise blaustichigen Bilder der Vorgänger der Vergangenheit an, leider ist Fuji aber etwas über das Ziel hinaus geschossen und die Bilder werden nun manchmal etwas rotstichig. Die goldene Mitte wäre hier das Optimum gewesen, insgesamt gefallen mir die Farben der F300 aber besser als die der F200 und auch besser als die der SX210. Zwar lässt sich an der SX210 fast jeder Aspekt der Farben konfigurieren, dies muss das dann aber pro Situation immer mal wieder anpassen.
Leider auch über das Ziel hinaus geschossen ist Fuji mit der Rauschunterdrückung und baut behoben geglaubte Fehler wieder ein. Bei meinem Testbericht der Finepix F100fd hatte ich damals die übertriebene Rauschunterdrückung kritisiert, welche auch der Hauptgrund war weshalb ich sie zurückgab. Bei der F200 ging Fuji den umgekehrten Weg und setzte die Rauschunterdrückung für meinen Geschmack fast schon zu sparsam ein. Da die kleinen Fuji’s aber kein RAW liefern macht das Sinn, denn bei zu geringer Rauschunterdrückung kann man immer noch am Desktop nachbessern, was umgekehrt ja nicht möglich ist. Die Rauschunterdrückung der F300 ist noch stärker als jene der F100 und schlägt sogar schon bei ISO100 in den Schatten sichtbar zu. Ab ISO400 fällt die F300 dann noch mal deutlich ab, die Rauschunterdrückung schlägt hier gnadenlos zu, und liefert in Zusammenarbeit mit weiteren Bildoptimierungsverfahren einen sehr künstlich und überprozessierten Bildeindruck.
Beim Dynamikumfang schlägt dann dank EXR-Technologie die grosse Stunde der F300. Im direkten Vergleich mit der SX210 zeigt die F300 mehr Zeichnung sowohl in den Schatten, als auch in den Lichtern. Mit dem EXR-DR Modus hat Fuji ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Vorteile beim Dynamikumfang der F300 (links) vs. SX210 (rechts)
 

Auch den Bildstabilisator will Fuji verbessert haben, was bei einem Objektiv von dieser Brennweite im Telebereich auch notwendig ist. Von einer Verbesserung war aber wenig zu spüren. Bei Volltele gelang es mir zunächst überhaupt nicht, ein unverwackeltes Bild freihand zu schiessen. Zum Vergleich: mit der SX210 gelingen mir bei 392mm die meisten Bilder freihand bis zu ¼ Sekunde, ab ungefähr 1/16 sind dann mit der SX210 alle Bilder unverwackelt.
Erst mit Abschalten der Stabilisierung des Sucherbildes, gelangen die freihand Bilder bei Volltele bis ungefähr zu 1/60 Sekunde. Wenn das ausgleichende Element bereits für die Stabilisierung des Sucherbildes am Anschlag ist, verbleiben eben keine Reserven mehr um beim Auslösen noch weiter zu stabilisieren. Das können nicht nur Canon, sondern auch z.B. Panasonic deutlich besser, die im Gegensatz zu Fuji nicht den Sensor sondern das Objektiv stabilisieren.
Auch beim Blitzen macht die SX210 ein besseres Bild als die F300, bei der die Bilder immer etwas totgeblitzt aussehen. Nun blitzt die F300 nicht wirklich schlecht, aber die SX210 schafft es besser, auch bei Blitzbildern noch etwas von der vorhandenen Lichtstimmung einzufangen.
Die Videofunktionalität der F300 ist leider ein ganz dunkles Kapitel. Zwar zeichnet die F300 HD-Video mit 720p auf, die Videos sehen aber aus als hätte man die VGA-Videos der F200 einfach nur auf 720p hochgerechnet. Auch wird der Autofokus der F300 beim Filmen in der Bewegung und beim Zoomen nachgeführt, was allerdings so schlecht funktioniert, dass man die Funktion eigentlich überhaupt nicht bewerben dürfte. Der Motor des Objektivs arbeitet so laut, dass Fuji eine Option anbietet, das Mikrophon während des Zoomes abzuschalten weil man den Zoommotor ansonsten sehr laut in der Aufnahme hört. Nach dem Zoomen pumpt dann der Autofocus lange herum, bis er endlich wieder einmal scharf stellt, und auch das gelingt ihm dann nicht immer. Manchmal bleibt die Filmaufnahme auch fehlfokussiert und die F300 sieht keine Veranlassung, etwas daran zu ändern. Insgesamt lässt sich die Videofunktionaliät bei der F300 wie schon bei den vorherigen Fujifilm Kameras aus der F-Serie wieder nur als schwache Dreingabe bezeichnen.
 
High-ISO der F300 im Vergleich mit der SX210 (rechts)
 

Am Ende ist es enttäuschend, daß Fujifilm es trotz so vieler guter Ansätze nicht geschafft hat, daraus eine gute Kamera zu bauen. Was nützen das tolle Objektiv und der im Kompaktbereich einmalige Phasen-Autofocus, wenn die Software der Kamera im Postprocessing die Bilder verschlimmbessert. Bis ISO200 geht die Bildqualität noch in Ordnung, muss sich aber ausser beim Dynamikumfang der SX210 geschlagen geben. Dabei ist es mir unverständlich, warum die F300 solch starke Rauschunterdrückung betreibt. Im Vergleich zur SX210 besitzt sie einen größeren Sensor, auf dem sich eine etwas kleinere Pixelanzahl befindet. Die daraus grösseren Sensorpixel sollten einer Rauschneigung entgegenwirken. Haben sich bei Fuji die Liebhaber glattgebügelter Bilder durchgesetzt und betreiben die übertriebene Rauschunterdrückung ohne Not, oder ist Fuji mit seiner eigenen Sensorentwicklung dermassen weit hinter den Mitbewerb zurückgefallen, das die EXR-Sensoren trotz physikalisch besserer Vorraussetzungen bzgl. der Pixelgrösse so viel mehr Rauschen, dass diese extreme Rauschunterdrückung notwendig ist?
Mir kann die F300 meine SX210 auf keinen Fall ersetzen, schon alleine wegen der schlechteren Bildqualität, aber auch wegen des unbrauchbaren Videomodus’. Im Gegensatz zur WB2000 würde ich die F300 jetzt nicht als Totalausfall einstufen. Wer überwiegend bei Sonne fotografiert, wem der schnelle Autofokus, der hohe Dynamikumfang und das Objektiv mit einem unschlagbarem Brennweitenbereich mehr Wert ist als eine gute Bildqualität und wer den Videomodus nicht wirklich benutzt, der kann mit der kleinen Fuji recht zufrieden sein.
Wenn man aber überlegt, was bei den vielen guten Ansätzen aber aus der F300 hätte werden können, kann man nur sagen: schade Fuji, wirklich schade.

Montag, 18. Oktober 2010

Samsung WB2000 im Test

Durch gute Berichte in Foren bin ich auf die Samsung WB2000 aufmerksam geworden. Ein Weitwinkel von 24mm, dabei eine Eingangsblende von f/2,4. Der Sensor ist mit 1 / 2,33'' zwar so klein wie sonst die Sensoren bei Superzoom-Kameras, aber immerhin begrenzt Samsung die Auflösung auf 10mp. Und da es sich um einen Backlight Illumnated CMOS Sensor (BSI) handelt, bestand die Hoffnung dass er in Verbindung mit der lichtempfindlichen Optik ordentliche Lowlight-Fähigkeiten bietet. Dazu sind die CMOS-Sensoren wesentlich schneller, so daß Samsung mit HighSpeed Fähigkeiten wirbt, d.h. die Kamera ist in der Lage sehr viele Serienbilder in Folge aufzunehmen so dass man hinterher das beste aussuchen kann, was bei Sportaufnahmen natürlich sehr nützlich ist. Auch wird diese Eigenschaft benutzt, um direkt in der Kamera HDR (High-Dynamik-Range) Bilder zu erzeugen. Hierzu macht die WB2000 kurz nacheinander zwei Bilder in Folge mit unterschiedlicher Belichtung und rechnet diese zu einem zusammen um Motive mit starken hell/dunkel-Unterschieden korrekt abzubilden.
Das Metallgehäuse der WB2000 macht einen sehr wertigen Eindruck und ist sehr griffig. Als nette Spielerei hat Samsung zwei analoge Anzeigen für Batterie und Speicherplatz auf der Oberseite angebracht. Diese sind nicht wirklich nützlich, aber mir haben sie gut gefallen.
Die WB2000 nimmt sogar Full HD-Video in wirklich guter Qualität auf, und als Extra ist es sogar möglich, während der Videoaufnahme gleichzeitig in voller Auflösung Fotos zu schiessen. Die Videoqualität möchte ich als sehr gut einstufen.
Am Ende ist das entscheidende Kriterium bei einer Kamera aber die Bildqualität. Bei ersten Test unter unkritischen Bedingungen war die WB2000 noch unauffällig, nur eine im Vergleich zur F200 geringere Dynamik war leicht auffällig. Bei Aufnahmen mit Available Light, also bei schwachen Lichtverhältnissen ohne Blitz, machte sich die WB2000 dann das erste Mal negativ bemerkbar. Solange die WB2000 im Weitwinkel bei 24mm bleiben kann, hat sie noch den Vorteil des lichtempfindlicheren Objektivs mit f/2,4, mit dem Sie meistens eine ISO-Stufe unter der der F200 bleiben kann. Sobald die WB2000 aber ISO400 oder mehr erreicht, fällt sie durch ein starkes Farbrauschen auf. Auch darf man aufgrund der guten Lichtempfindlichkeit im Weitwinkel bei 24mm nicht darauf schliessen, dass die WB2000 nun über ein besonders lichtempfindliches Objektiv verfügt. Die WB2000 verfügt über recht wenige Zoom-Stufen. Nach 24mm ist der nächste Halt gleich bei 28mm und da liegt die Offenblende schon bei f/3. Das ist wirklich kein schlechter Wert, zum Vergleich: die F200 ist dort bei 3,3 und die SX210 bei 3,1. Allerdings ist der Vorteil zu gering um in der Praxis einen Unterschied zu machen. Somit muss die WB2000 ab 28mm mit den gleichen ISO-Stufen genutzt werden, wie die meisten anderen Kameras in dem Segment auch, wobei sich spätestens ab ISO400, teilweise schon ab ISO320 ein unangenehmes Farbrauschen bemerkbar macht.
Extremes Farbrauschen schon bei ISO400 (mittlerer Bereich unkenntlich gemacht)

Richtig schlecht machte sich die WB2000 dann am nächsten Tag auf einem Kindergeburtstag. Um es ganz deutlich zu sagen: ich hatte noch nie eine Kamera, die mir dermassen viel Ausschuss lieferte wie die WB2000. Der geringe Dynamikumfang führte zu Bildern, in denen die hellen Flechen komplett weiss geclippt waren, teilweise bis zu einem Drittel des Bildes. Die dunkleren Bereiche verloren sich in Farbrauschen. Alles dazwischen wirkt blass. Die Automatik liefert selten gute Einstellungen und muss häufig korrigiert werden, was allerdings wenig Spass macht weil z.B. die Belichtungskorrektur im Menü vergraben ist. Auch verwirrt das Menü mit Ärgerlichkeiten: aufnahmerelevante Einstellungen sind im Menü gruppiert, was für sich ja kein Problem ist. Allerdings lassen sich immer nur Parameter einer Gruppe gleichzeitig ändern, die anderen Gruppen sind dann gesperrt. Will man z.B. Schärfe und Kontrast korrigieren ist das nicht möglich, weil sich Schärfe in der einen Gruppe befindet und Kontrast in der anderen. So eine eigentümliche Beschränkung ist mir von keiner anderen Kamera bekannt.
 
Highlight-Clipping und abgesoffene Schatten der WB2000
Mein Fazit lautet dann auch: Hände weg von dieser Kamera. Trotz einiger Highlights wie dem guten Schneider-Kreuznach-Objektiv, der guten Video-Funktionalität sowie dem wertigen und griffigen Gehäuse hat Samsung es nicht geschafft, daraus ein gutes Gesamtsystem herzustellen. Die Schwächen im Bereich Dynamikumfang, Farbrauschen und Software machen die guten Ansätze zunichte. Ich zumindest habe noch nie so schnell vom Rückgaberecht gebrauch gemacht und die Kamera umgehend zurück geschickt.

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Dies ist kein vollständiger Test, sondern nur eine Sammlung von Punkten, die mir beim Vergleichen der drei Kopfhörer aufgefallen sind und di...