Samstag, 31. Januar 2015

Ergebnis Kameravergleich: D3300, a58, a6000, E-M10 & GX7

Der Test zog sich am Ende fast über ein Jahr, in dem ich die verschiedenen Kameras mal mehr, mal weniger getestet habe. Das Ergebnis bezieht sich auf mein Hobby-Knipser Profil, bei anderen Anforderungen kommt vermutlich ein anderes Ergebnis heraus. Noch einmal zusammengefasst: ich suchte eine Kombination mit zwei Objektiven. Ein kleines Objektiv, mit dem die Kombination möglichst portabel sein soll. Und ein Travelzoom, dass einen grossen Brennweitenbereich abdecken soll.
Canon trat bei mir gar nicht erst zum Test an. Die Sensor-Leistung der aktuellen Canon APS-C Kameras rechtfertigt aus meiner Sicht nicht das Mehrgewicht und zusätzliche Packmaß im Vergleich zu mft, s. z.B. aktuelle Modelle auf dxomark.com.
Die Nikon D3300 war als erste aus dem Rennen, trotz der definitiv besten Bildqualität in diesem Vergleichsfeld. Das ganze verpackt in einem, für eine DSLR, kleinem und leichten Body. Dazu ein erstaunlich scharfes Kit-Objektiv. Aber die Bedienung der Nikon finde ich zu sperrig, noch einmal eine Klasse schlechter als die von Olympus.
Die a58 war meine Haupt-Kamera für einige Monate und einen ganzen Urlaub dabei. In dem Urlaub stellte ich auch fest, dass eine DSLR aus Gewicht- und Platzgründen nicht das richtige ist. Vor einer Bergwanderung mit vielen schönen Motiven entschied ich mich, die a58 zurückzulassen und statt dessen eine Kompaktkamera mitzunehmen, weil mir die a58 mit Travelzoom einfach zu schwer und groß war. Damit war klar, dass ich im Bereich der spiegellosen Systemkameras landen werde.
Nacheinander im Test waren die Sony a6000, Olympus OM-D E-M10 und Panasonic GX7. Fuji war nicht vertreten. Die aktuellen Modelle in der Preisklasse unter EUR 1.000,- haben noch ein AF-System welches mir nicht ausreicht. Die X-T1 hat zwar neues und sehr gutes AF-System, fällt aber preislich aus dem Rahmen (Update: die im Mai 2015 angekündigte X-T10 hat das AF-System der X-T1 geerbt und passt grundsätzlich in die Auswahl, kam aber für diesen Vergleich zu spät auf den Markt).

Als nächste fiel die a6000 durch das Raster. Zwar hat sie ein neues, superschnelles AF-System bekommen. Dieses funktioniert aber nur aber bei gutem Licht, nur mit bestimmten Objektiven und nicht mehr bei kleinen Blendenöffnungen. Während das Kit-Objektiv SEL1650 ab Werk den Phase Detection Auto Focus (PDAF) unterstützt, benötigt das SEL18200LE zunächst ein Firmware-Update, welches der Anwender – im Gegensatz zu anderen Sony-Objektiven – nicht selbst durchführen kann. Möglicherweise weil es sich hierbei um eine Tamron-Konstruktion handelt. Der Sony-Support erledigt das in ungefähr zwei Wochen. Aber auch mit dem Update ist der AF des 18200LE alles andere als schnell und bei weniger gutem Licht schon praktisch unbrauchbar. Auf einem Tanzturnier, also in einem beleuchteten Saal, musste das 18200LE im Telebereich oft mehrere Sekunden pumpen bis ein Fokus gefunden wurde. Oder manchmal gab der Autofocus auch auf, dann half nur manueller Fokus.
Ohnehin ist das 18200LE recht unbequem an der a6000 zu halten. Im Vergleich zu den mft-Kameras mit dem 14-150 ist die Sony-Kombo zwar nur ca. 150g schwerer. Aber bei den mft-Modellen ist der Body schwerer und das Objektiv sehr leicht, somit sind diese Kombinationen gut zu halten. Bei der Sony-Kombination sitzt der Schwerpunkt vorne im Objektiv, aufgrund des Hebels wirkt diese Kombination sehr viel schwerer weil die Front des Objektivs nach unten drängt und die Hand ständig korrigieren muss.
Auch war die Abbildungsleistung des 18200LE deutlich hinter seinem mft-Konkurrenten Olympus 14-150. Nun gelten die Travelzooms ohnehin als die am schlechtesten abbildenden Objekte, aber zwischen dem 18200LE und dem 14-150 liegt eine ganze Klasse. Es gibt noch das ältere SEL18200, welches besser abbilden soll. Aber damit steigt das Gesamtgewicht auf fast 900g, was an einem so kleinen Griff kein Spaß ist (s. z.B. camerasize.com).
Abb.: a6000 mit SEL18200LE wiegt 839g

Das 1650PZ ist zwar schön handlich, aber Sony musste viel tricksen, um das Objektiv so klein zu bekommen. Das Objektiv wird nachträglich massiv in Software korrigiert. Dadurch fallen die Ecken stark ab, es wird auch viel Vignettierung korrigiert. Auch hier gibt es bessere Objektive, wie z.B. das SEL1855, aber damit wird das Gesamtpaket gleich wieder größer und schwerer. Auch hier sieht es bei mft viel besser aus, die von Haus aus viel kleineren mft Kit-Objektive bilden besser ab und müssen auch viel weniger korrigiert werden als das SEL1650, welches für mich ein zu starker Kompromiss ist.
Nebenbei sind die 24mp RAW-Files der a6000 sehr groß und bringen auch gut ausgestattete Rechner ins Schwitzen. Die hohe Sensor-Auflösung macht aber nur mit entsprechend auflösenden Objektiven Sinn. Nun kann man aufgrund des geringen Auflagemaßes zwar praktisch alles an die a6000 adaptieren. Man sollte sich aber auch im klaren sein, dass die 24mp an den Standard SEL-Objektiven einfach vergeudeter Platz ist.
Abb.: E-M10 mit 14-140 bei 676g, mit Griff aber schon bei 767g

Heisst das jetzt, dass die a6000 eine schlechte Kamera ist? Absolut nicht, auch wenn dies zunächst so klingt. Die a6000 macht absolut Sinn mit leichteren, hochwertigen Objektiven. Wenn die AF-Performance bei schwachen Licht weniger wichtig ist oder ohnehin adaptierte Objektive manuell fokussiert werden. Ein ordentliches universal-Ojektiv für die a6000 ist z.B. das Zeiss 1670 f4.0. Wer keinen größeren Brennweitenbereich benötigt, bekommt mit dieser Kombination ein noch handliches und recht leistungsfähiges Gesamtpaket. Die a6000 ist eine sehr gute Kamera, die nur nicht gut zu meinem Anforderungsprofil passt.
Somit bleiben noch die beiden mft-Kameras E-M10 und GX7 in meiner Auswahl. Zunächst habe ich die E-M10 für ca. 4 Monate als meine Haupt-Kamera benutzt. Die E-M10 ist schon eine tolle Kamera, es ist schon erstaunlich wie viel Leistung heute in ein so kleines Gehäuse passt. Im Laufe der Zeit haben mich aber einige Punkte gestört. Zunächst einmal ist die E-M10 sehr klein und handlich, wenn sie z.B. mit dem 14-42PZ betrieben wird. Die beiden oberen Einstellräder sind optimal platziert und bedienen sich traumhaft gut. Die Haptik der E-M10 ist insgesamt hervorragend.
Aber sobald ein nur etwas größeres Objektiv an die Kamera kommt, wird sie unhandlich. Mit dem 280g leichten 14-150 lässt sich das Gesamtpaket für meinen Geschmack nicht mehr komfortabel halten. Olympus bietet einen passenden Griff für die E-M10 an, mit dem die Kombination dann wieder sehr komfortabel zu halten ist. Zum einen trägt aber der Griff dann auch wieder ca. 100g zum Gesamtgewicht bei. Zum anderen wird das Handling etwas unbequemer, weil man zum Akku- oder SD-Karten-Wechsel immer den Griff abnehmen muss, auch wenn das über einen Schnellverschluss recht einfach geht.


Mit der Menüführung von Olympus habe ich mich nie wirklich anfreunden können. Nach einiger Zeit kam ich damit zwar einigermaßen klar, aber gut geht eben anders.
Aber die wichtigsten beiden Punkte: die Automatiken von Olympus sind aus meiner Sicht absolut nicht auf der Höhe der Mitbewerber, ich bin einfach mehr Unterstützung gewöhnt. Als Beispiel: ich habe in einem Urlaub eine dunkle Holzhütte aus kurzer Entfernung fotografiert, sie füllte etwa 60-70% des Bildes, der Rest war Grünzeug drum herum. Die E-M10 hat korrekt auf 18% Neutralgrau belichtet, was natürlich dazu führt, dass die Hütte viel zu hell auf dem Bild abgebildet wurde. Das Ergebnis war also technisch einwandfrei, aber führte nicht zu dem gewünschten Ergebnis.
Die Sony a6000 hat die Szene irgendwie erkannt, so dass die Szene auf dem Bild abgebildet wurde wie mit den Augen wahrgenommen. Sämtliche Bilder, die nicht so belichtet wurden wie gewünscht, waren natürlich darauf zurückzuführen, dass ich als Fotograf irgend etwas nicht beachtet und entsprechend parametriert hatte. Es war immer meine Schuld und bei korrekter Einstellung hätte die E-M10 auch die gewünschten Resultate geliefert. Aber die Welt hat sich in den lezten 10 Jahren weiterbewegt und die Hersteller haben viel in Automatiken investiert, welche die Kameras viel gutmütiger machen und unzureichende Bedienung ausgleichen. Nun muss man dieses Problem in Relation stellen. Natürlich sind die Bilder der E-M10 meistens schon belichtet wie gewünscht. Nur war die Ausfallquote bei mir einfach deutlich höher als mit allen anderen Kameras, die ich länger genutzt habe. Das ist für mich um so wichtiger, da die Kamera auch von Familienmitgliedern genutzt wird, die sich nicht für Fotografie interessieren und per Automatik einfach möglichst gute Bilder bekommen möchten.
Selbst wenn die Bilder wie gewünscht belichtet waren, hatte ich meine Probleme mit den Olympus-Farben. Das wird wohl an mir liegen, denn viele kaufen Olympus Kameras ja gerade wegen der Farben. Bei mir ist es anders herum. Ich empfinde die Farben oft als zu künstlich, speziell Violett- und helle Grüntöne wirken auf mich merkwürdig im Farbspektrum verschoben. Das vielgelobte puschen des Himmelsblaus wirkt auch oftmals zu künstlich auf mich. Das lässt sich natürlich alles über entsprechende JPEG-Parametrierung ändern oder aus dem RAW korrigieren, führte für mich aber insgesamt zu erhöhtem Nachtbearbeitungsaufwand. Auch unterschiedliche Farbeinstellungen brachten mich wenig weiter. Natural war für meinen Geschmack zu blass, Vivid dann wieder viel zu knallig.
In der Summe klingt das jetzt negativer als es soll. Die E-M10 ist eine sehr gute Kamera und wäre fast meine Gewinnerin geworden. Aber das Gute ist des Besseren Feind. Am Ende hat die GX7 alles für mich richtig gemacht. Durch den etwas größeren Griff ist sie besser zu halten, auch mit dem 14-150 benötige ich keinen separaten Griff. Der schwenkbare Sucher erschien mir zuerst wie ein ein unnötiges Gimmick, mittlerweile nutze ich ihn regelmäßig und möchte nicht drauf verzichten. Das gesamte Bedienkonzept der GX7 ist vorbildlich, inklusive sinnvoller Touch-Unterstützung praktisch überall. Ich habe noch nie so wenig an einer neuen Kamera konfiguriert, die GX7 kommt mit einer für mich praktisch perfekten Voreinstellung. Lediglich den Wifi-Button habe ich umkonfiguriert, um damit den Elektronischen Verschluss ein-/auszuschalten.
Erstaunlicherweise macht der 2-Achsen Stabilisator bei mir einen besseren Job (s. mein Blog Gadgetechtoya) als sein 3-Achsen Pendant der E-M10. Das ist für mich kein Kaufgrund, weil auch der Stabilisator der E-M10 für mich mehr als ausreichend ist. Aber einen noch besseren Stabilisator nehme ich gerne mit.
Die Videoqualität der GX7 lässt jene der E-M10 weit hinter sich (erst mit der mittlerweile verfügbaren E-M5 Mk2 hat Olympus hier gleichgezogen). Und beim Autofokus sind zwar beide schon sehr gut, aber die GX7 ist hier speziell bei schwachem Licht noch einmal merklich besser.
Und dazu noch Panasonics bekannte Stärken: die sogenannte intelligente Automatik verdient ihren Namen zu recht. Auch wenn die meisten Anbieter hier in den letzten 10 Jahren einiges geleistet haben, ist für mich die Panasonic-Automatik immer noch der Gold-Standard. Dazu arbeitet die JPEG-Engine genau so, wie ich sie haben möchte. Das erspart mir in den meisten Fällen die RAW-Bearbeitung. Teilweise sind die JPEG-Ergebnisse sogar besser als das, was ich mit ein paar Minuten RAW-Bearbeitung hinbekommen würde. Da müsste ich z.T. schon richtig Zeit investieren. Die Farben wirken absolut natürlich und sind normalerweise nur wenig gepusht. In sonnigen Situationen gibt das schöne, leuchtende Bilder, die aber nicht künstlich wirken. Ich hatte noch bei keiner meiner bisherigen Systemkameras so wenig die Notwendigkeit, die RAW's zu bearbeiten wie bei der GX7. Und das merke ich in Summe deutlich. Normalerweise habe ich immer einen ganzen Schwung Fotos auf der Festplatte, die noch nachbearbeitet werden müssen. Seit der GX7 komme ich damit viel schneller durch, weil ich eben oft das JPEG ooc direkt nutze oder höchstens begradige.
Nun ist die GX7 nicht in jeder Hinsicht besser als die E-M10. Die Haptik der beiden oberen Einstellräder ist bei der E-M10 einfach vorbildlich und besser als bei der GX7. Auch die Konfigurationsmöglichkeit der beiden Einstellräder sind bei der E-M10 besser. Und die Gesichtserkennung ist bei der E-M10 deutlich besser umgesetzt, insbesondere mit der integrierten Augenerkennung, auch mit Fokussierung auf das jeweils nähere Auge. Die Suchermuschel der E-M10 ist bei Sonnenlicht deutlich besser, bei der GX7 gibt es zwar eine vergleichbare als Zubehörteil, aber bei dem Systempreis sollte eine anständige Augenmuschel im Preis enthalten sein, zumal es sich ja nur um ein Stück Gummi handelt. Um das hier ganz klar zu sagen: gäbe es nicht die GX7, wäre die E-M10 jetzt meine Haupt-Kamera. Auch wenn ich hier viel Kritik geäußert habe, so ist das Kritik auf hohem Niveau.
In der Summe der Eigenschaften ist für mein Anwendungsfeld meine Gewinnerin die Panasonic Lumix DMC-GX7.
Nachtrag: für die zwischenzeitig erschienene E-M10 Mark II habe ich meine Bewertung noch ein Mal angepasst.
Arnes Kauftip: Panasonic Lumix DMC-GX7

Montag, 5. Januar 2015

Erfahrungsbericht Panasonic Lumix GX7

Nach der E-M10 ging als nächstes ein Modell der Panasonic Lumix G Serie an den Start. Da ich auf der Suche nach etwas handlichem war und im Segment unter € 1.000,- suchte, waren die größeren Bodies G6 und GH4 (letztere auch des Preises wegen) aus dem Rennen. Die GX7 passte seitens Form und Ausstattung aber absolut in mein Beuteschema, zumal Panasonic den Kauf Ende 2014 durch eine €100,- Cashback Aktion erleichterte.

Handhabung

Die GX7 hat ungemein viel Punkte auf der Haben-Seite zu verbuchen. Zunächst mal ist der GX7 Body recht kompakt, aber aufgrund des gut ausgeformten Griffes trotzdem sehr gut zu halten. Er ist damit dem a6000-Body sehr ähnlich, auch wenn der Griff der a6000 sogar noch etwas stärker ausgeprägt ist und die a6000 sich damit sogar noch besser halten lässt.
Von allen hier getesteten Kameras hat die GX7 trotz des kompakten Bodies die meisten mechanischen Kontrollen, sprich Knöpfe und Einstellräder. Einige findet man nicht auf Anhieb, so ist das hintere Einstellrad auch Knopf drückbar, was ungemein praktisch ist. Sowohl E-M10 als auch GX7 bieten eine Doppelbelegung für die Einstellräder. Während man bei der E-M10 die FN2-Taste auf der Oberseite drückt, welche klein und nicht immer gut mit dem Finger zu finden ist wenn man durch den Sucher schaut, drückt man bei der GX7 auf das hintere Einstellrad. Das spart Sucherei und die FN2-Taste steht für andere Funktionen zur Verfügung. Aus meiner Sicht die beste Lösung im Vergleichsfeld. Wie bei den anderen Spiegellosen im Vergleich, sind auch bei der GX7 alle Funktionstasten frei belegbar. Während ich von dieser Konfigurationsmöglichkeit bei anderen Kameras häufig Gebrauch mache, habe ich bei der GX7 fast alles auf Standard belassen. Lediglich die WiFi-Taste habe ich mit 'Elektronischer Verschluss an/aus' belegt. Das macht die Kamera nicht besser oder schlechter, sie passt nur für meinen persönlichen Bedarf sehr gut.
Die Menüführung ist sehr aufgeräumt, man findet sich schnell zurecht. Trotz der einfachen Menüführung gibt es auch hier sehr viele Parameter einzustellen wobei Panasonic das Menü sinnvoll gruppiert hat. Weniger oft benutzte Einstellungen liegen weiter unten im Menü, so dass man nicht wie z.B. bei Olympus ständig in den Menütiefen am suchen ist. Panasonic ist hier auf dem gleichen hohen Niveau wie Sony, klar vor Olympus und Nikon. Nebenbei ist der Ein-/Ausschalter für Einhand-Bedienung günstig am Modusrad angebracht. Hier gibt es nichts zu bemängeln.
Panasonic hat die Touch-Bedienung am konsequentesten umgesetzt. Praktisch alle Funktionen lassen sich alternativ per Touch steuern, auch das Kameramenü. Dabei funktionieren auch etablierte Multi-Touch Gesten wie pinch-to-zoom zum Vergrößern von Bildern in der Wiedergabe. Auch ein Alleinstellungsmerkmal bei Panasonic: selbst bei Benutzung des Suchers, lässt sich der Fokuspunkt über den Touchscreen setzen. Für Anwender, die Ihre erste Systemkamera kaufen und eher die Bedienung von Smartphones als von Kameras gewohnt sind, werden mit einer Panasonic Lumix wohl am ehesten glücklich.
Die Akkulaufzeit der GX7 ist hervorragend. Angegeben mit 320 Aufnahmen, komme ich in der Praxis – wie bei der E-M10 – auf ungefähr 600-800 Aufnahmen. Die hohe Laufzeit liegt an meinem Nutzungsprofil. Ich nutze für die Bildkomposition fast auschliesslich den Sucher. Im Menü bin ich praktisch nie unterwegs. Wenn ich die Kamera einmal eingestellt habe, nutze ich fast nur noch die mechanischen Kontrollen oder meine Presets. Auf dem Bildschirm habe ich meistens nur die Einstellungen, kein live-Bild. Und wenn ich weiss, dass ich viel Akkulaufzeit benötige, lasse ich den Monitor meistens aus. Die Bilder mache ich oft in kurzen Serien von 3-5 Bildern, wenn ich irgendwas mit Action fotografiere. Den eingebauten Blitz nutze ich praktisch nie. Damit sind die 600-800 Bilder mit einem vollen original-Akku möglich.

Sucher

Der Sucher der GX7 ist in der linken, oberen Ecke viel besser aufgehoben als bei Kameras wie die E-M10, welche versuchen, das Aussehen eines Pentaprismas zu imiteren. Die Sucher-Positon in der Ecke bewirtkt aber, dass sich die Nase nicht mehr auf dem Display befindet, sonder einfach neben der Kamera ist. Hier also ein Vorteil für die GX7, ebenso wie für die a6000. Die GX7 kann beim Sucher aber noch ein absolutes Alleinstellungsmerkmal vorweisen: der Sucher ist schwenkbar. Zunächst habe ich das für ein nettes, aber wenig nützliches Gimmik gehalten. Die meisten Tester schrieben, dass sie den Schwenk-Sucher kurz ausprobiert haben, ihn danach aber nur noch in der Standardposition nutzten. Das ging mir anfangs auch so, aber nach einiger benutzte ich ihn immer häufiger und sehe die Schwenkfähigkeit als echtes Plus an. Er würde mir an einer anderen Kamera jetzt doch sehr fehlen. Nebenbei hat die GX7 den höchstauflösenden Sucher im Vergleich, er löst ungefähr doppelt so hoch auf wie seine beiden Kollegen in E-M10 und a6000. Und das sieht man deutlich. Während bei a6000 und E-M10 noch Pixelstrukturen wahrnehmbar sind, kann ich bei der GX7 keine Pixel mehr ausmachen. Auflösungsseitig ist bei der GX7 kein Nachteil mehr gegenüber optischen Suchern. In Foren liest man häufig, daß der GX7-Sucher eine Art Tunneleffekt hat und das Bild dadurch kleiner wirkt. Fakt ist, dass bei 4:3 das Sucherbild der GX7 praktisch identisch groß wie das der E-M10 ist Bei 16:9, typischerweise z.B. bei Video, ist das Sucherbild der GX7 deutlich größer, als das der E-M10. Die Kritik bezüglich des Tunneleffektes habe ich im versucht, im Direktvergleich nachzuvollziehen. Dazu habe ich mir die E-M10 vor das rechte – und die GX7 um 180 Grad gedreht vor das linke Auge gehalten. Tatsächlich sind beide Bilder bei 4:3 in der Größe nicht unterscheidbar, auch scheinen sie praktisch identisch weit vom Auge weg zu sein. Sie unterscheiden sich aber einer Eigenschaft: man sieht um das Sucherbild der GX7 mehr Fläche drumherum, was den Tunneleffekt bzw. das Gefühl, dass das Bild weiter weg ist, bestärkt. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, wie zwei Kinos. Beide haben gleich große Leinwände und man sitzt bei beiden gleich weit weg. Aber das eine Kino hat einen grösseren Saal, so dass die Wand hinter der Leinwand größer ist. Solange der Film nicht läuft, hat man möglicherweise in dem größerem Kino tatsächlich den Eindruck einer kleineren Leinwand. Sobald der Film aber läuft, nimmt man dies nicht mehr wahr. So ist das auch mit den Suchern der E-M10 und der GX7. Nach kurzer Benutzungszeit mit der GX7 nahm ich den Effekt überhaupt nicht mehr wahr.
Der Grund für den großen Raum um das 4:3-Bild ergibt sich übrigens, wenn man die GX7 in den Video-Mode schaltet. Dann nämlich wächst das Bild links und rechts bis an die Ränder und zeigt dann das grössere 16:9 Bild. Im Gegensatz zur E-M10, welche das 4:3 Sucherbild für 16:9 Darstellung dann croppt, zeigt die GX7 im 4:3-Betrieb ein gecropptes Bild, welches immer noch so groß ist wie das Vollbild der E-M10. Um im obigen Bild mit dem Kino zu bleiben, ist bei der GX7 der Effekt vergleichbar mit einem Kino, bei dem nach der Werbung links und rechts die Vorhänge aufgefahren werden um die Leinwand auf die volle Cinemascope-Breite zu bringen. Im 16:9-Betrieb ist das Sucherbild der GX7 extrem groß, ich hatte noch nie eine Kamera mit einem so großen Sucherbild.
Einen Kritikpunkt muss man dem sonst hervorragenden Sucher der GX7 aber lassen: die Augenmuschel ist weniger stark ausgeprägt als bspw. bei der E-M10. Bei viel Sonne gelangt so störend viel Licht in den Sucher und macht das Bild schwerer erkennbar. Gerade Brillenträger berichten in Foren hier von Problemen. Panasonic schafft hier Abhilfe mit der DMW-EC1GU Augenmuschel, welche für ca €14,- als Zubehör erhältlich ist. Er ist allerdings eine Schande für Panasonic, dass ein solches Stückchen Gummi, welches einen offensichtlichen Mangel behebt, bei diesem Kamerapreis nicht im Lieferumfang enthalten ist.

Fotografieren mit der GX7

Die GX7 fühlt sich immer schnell an, auch in Bereichen wo andere Kameras versagen. Der Autofokus der GX7 ist auch noch bei extrem dunklen Bedingungen treffsicher und schnell. Wenn die a57 den AF schon verweigert, und a6000 und etwas später auch E-M10 länger pumpen müssen, setzt die GX7 den AF noch schnell und auf den Punkt. Ich hatte noch nie eine Kamera, bei welcher der AF bei so geringer Lichtmenge noch zuverlässig funktioniert.
Was die Panasonic Kameras im allgemeinen auszeichnet, und so auch die GX7, sind die zuverlässigen Automatiken. So kann die GX7 auch einfach als Point & Shoot Kamera betrieben werden, praktisch wenn man die Kamera auch mal aus der Hand gibt. Die Ergebnisse der Automatik gefiehlen mir bei der GX7 sogar noch etwas besser, als bei den beiden ebenfalls mit sehr guten ausgestatteten Sony Kameras, definitiv besser als bei der E-M10 die für meinen Geschmack oft etwas daneben lag.
Als erste Panasonic Systemkamera besitzt die GX7 auch einen eingebauten Bildstabilisator (IBIS = In Body Image Stabilisation). Dieser stabilisiert zwar nur zwei Achsen, die E-M10 sogar drei davon. Auf dem Papier sollte die GX7 also unterlegen sein. Bei meinenVersuchen war der Stabilisator der GX7 aber leistungsfähiger als sein Pendant in der E-M10, bei einem anderem Test im Netz war die GX7 sogar der E-M5 überlegen.
Die Bildqualität ist in RAW von der E-M10 nicht zu unterscheiden, wenn man die Ergebnisse beider Kameras aneinander angleicht. Deutliche Unterschiede gibt es aber in den JPEG-Ergebnissen. Dabei gefallen mir die Ergebnisse der GX7 von allen hier getesteten Kameras am besten. Sehr ausgewogene und natürliche Farben, sehr ausgewogene Belichtung.
Auch bei der Videoqualität schneidet die GX7 hervorragend ab. Das verwundert wenig, Panasonic gilt als einer der Video-Experten im Kamerabereich. Nicht nur dass die GX7, neben der a6000, als einzige Kamera im Test Full-HD mit 50p aufzeichnet. Die Videoqualität ist insgesamt sehr hoch. Nebenbei wird bei 16:9 der volle Sucher benutzt, wodurch sich ein grosses und knackscharfes Sucherbild ergibt, wie oben beschrieben.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der GX7 in diesem Feld ist der elektronische Verschluss (ES = Electronic Shutter). Hierbei bleibt der mechanische Verschluss die ganze Zeit offen, wodurch auch das Verschlussgeräusch entfällt. Somit lässt sich die GX7 auch in Umbebungen, in denen keine Geräusche gemacht werden dürfen wie z.B. einigen Museen, lautlos benutzen. Auch tritt mit ES kein Shutter-Shock auf, Bilder die mit dem ES gemacht wurden sind oftmals schärfer als jene die mit mit dem mechanischen Verschluss gemacht wurden. Der ES lässt sich nicht in allen Situationen sinnvoll einsetzen: mit dem ES kann man nicht blitzen, keine Bilder über ISO3200 aufnehmen und bei Schwenks oder schnellen Bewegungen kann der Rolling Shutter Effekt auftreten. Aber in allen anderen Fällen ist der ES ein nützliches Hilfsmittel. Aktuell mache ich ca. 80% meiner Bilder mit dem ES.

Insgesamt nimmt die GX7 dem Fotografen auf Wunsch mehr Mühe ab, als alle andern Kameras im Test. Mit keiner kommt man leichter zu guten Ergebnissen, zumindest was Belichtung und Farbwiedergabe angeht. Natürlich kann man alles manuell einstellen, wenn man das dann möchte. Aber für den schnellen Schnappschuss nehme ich die GX7 lieber als jede andere Kamera im Testfeld.

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