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Montag, 5. Januar 2015

Erfahrungsbericht Panasonic Lumix GX7

Nach der E-M10 ging als nächstes ein Modell der Panasonic Lumix G Serie an den Start. Da ich auf der Suche nach etwas handlichem war und im Segment unter € 1.000,- suchte, waren die größeren Bodies G6 und GH4 (letztere auch des Preises wegen) aus dem Rennen. Die GX7 passte seitens Form und Ausstattung aber absolut in mein Beuteschema, zumal Panasonic den Kauf Ende 2014 durch eine €100,- Cashback Aktion erleichterte.

Handhabung

Die GX7 hat ungemein viel Punkte auf der Haben-Seite zu verbuchen. Zunächst mal ist der GX7 Body recht kompakt, aber aufgrund des gut ausgeformten Griffes trotzdem sehr gut zu halten. Er ist damit dem a6000-Body sehr ähnlich, auch wenn der Griff der a6000 sogar noch etwas stärker ausgeprägt ist und die a6000 sich damit sogar noch besser halten lässt.
Von allen hier getesteten Kameras hat die GX7 trotz des kompakten Bodies die meisten mechanischen Kontrollen, sprich Knöpfe und Einstellräder. Einige findet man nicht auf Anhieb, so ist das hintere Einstellrad auch Knopf drückbar, was ungemein praktisch ist. Sowohl E-M10 als auch GX7 bieten eine Doppelbelegung für die Einstellräder. Während man bei der E-M10 die FN2-Taste auf der Oberseite drückt, welche klein und nicht immer gut mit dem Finger zu finden ist wenn man durch den Sucher schaut, drückt man bei der GX7 auf das hintere Einstellrad. Das spart Sucherei und die FN2-Taste steht für andere Funktionen zur Verfügung. Aus meiner Sicht die beste Lösung im Vergleichsfeld. Wie bei den anderen Spiegellosen im Vergleich, sind auch bei der GX7 alle Funktionstasten frei belegbar. Während ich von dieser Konfigurationsmöglichkeit bei anderen Kameras häufig Gebrauch mache, habe ich bei der GX7 fast alles auf Standard belassen. Lediglich die WiFi-Taste habe ich mit 'Elektronischer Verschluss an/aus' belegt. Das macht die Kamera nicht besser oder schlechter, sie passt nur für meinen persönlichen Bedarf sehr gut.
Die Menüführung ist sehr aufgeräumt, man findet sich schnell zurecht. Trotz der einfachen Menüführung gibt es auch hier sehr viele Parameter einzustellen wobei Panasonic das Menü sinnvoll gruppiert hat. Weniger oft benutzte Einstellungen liegen weiter unten im Menü, so dass man nicht wie z.B. bei Olympus ständig in den Menütiefen am suchen ist. Panasonic ist hier auf dem gleichen hohen Niveau wie Sony, klar vor Olympus und Nikon. Nebenbei ist der Ein-/Ausschalter für Einhand-Bedienung günstig am Modusrad angebracht. Hier gibt es nichts zu bemängeln.
Panasonic hat die Touch-Bedienung am konsequentesten umgesetzt. Praktisch alle Funktionen lassen sich alternativ per Touch steuern, auch das Kameramenü. Dabei funktionieren auch etablierte Multi-Touch Gesten wie pinch-to-zoom zum Vergrößern von Bildern in der Wiedergabe. Auch ein Alleinstellungsmerkmal bei Panasonic: selbst bei Benutzung des Suchers, lässt sich der Fokuspunkt über den Touchscreen setzen. Für Anwender, die Ihre erste Systemkamera kaufen und eher die Bedienung von Smartphones als von Kameras gewohnt sind, werden mit einer Panasonic Lumix wohl am ehesten glücklich.
Die Akkulaufzeit der GX7 ist hervorragend. Angegeben mit 320 Aufnahmen, komme ich in der Praxis – wie bei der E-M10 – auf ungefähr 600-800 Aufnahmen. Die hohe Laufzeit liegt an meinem Nutzungsprofil. Ich nutze für die Bildkomposition fast auschliesslich den Sucher. Im Menü bin ich praktisch nie unterwegs. Wenn ich die Kamera einmal eingestellt habe, nutze ich fast nur noch die mechanischen Kontrollen oder meine Presets. Auf dem Bildschirm habe ich meistens nur die Einstellungen, kein live-Bild. Und wenn ich weiss, dass ich viel Akkulaufzeit benötige, lasse ich den Monitor meistens aus. Die Bilder mache ich oft in kurzen Serien von 3-5 Bildern, wenn ich irgendwas mit Action fotografiere. Den eingebauten Blitz nutze ich praktisch nie. Damit sind die 600-800 Bilder mit einem vollen original-Akku möglich.

Sucher

Der Sucher der GX7 ist in der linken, oberen Ecke viel besser aufgehoben als bei Kameras wie die E-M10, welche versuchen, das Aussehen eines Pentaprismas zu imiteren. Die Sucher-Positon in der Ecke bewirtkt aber, dass sich die Nase nicht mehr auf dem Display befindet, sonder einfach neben der Kamera ist. Hier also ein Vorteil für die GX7, ebenso wie für die a6000. Die GX7 kann beim Sucher aber noch ein absolutes Alleinstellungsmerkmal vorweisen: der Sucher ist schwenkbar. Zunächst habe ich das für ein nettes, aber wenig nützliches Gimmik gehalten. Die meisten Tester schrieben, dass sie den Schwenk-Sucher kurz ausprobiert haben, ihn danach aber nur noch in der Standardposition nutzten. Das ging mir anfangs auch so, aber nach einiger benutzte ich ihn immer häufiger und sehe die Schwenkfähigkeit als echtes Plus an. Er würde mir an einer anderen Kamera jetzt doch sehr fehlen. Nebenbei hat die GX7 den höchstauflösenden Sucher im Vergleich, er löst ungefähr doppelt so hoch auf wie seine beiden Kollegen in E-M10 und a6000. Und das sieht man deutlich. Während bei a6000 und E-M10 noch Pixelstrukturen wahrnehmbar sind, kann ich bei der GX7 keine Pixel mehr ausmachen. Auflösungsseitig ist bei der GX7 kein Nachteil mehr gegenüber optischen Suchern. In Foren liest man häufig, daß der GX7-Sucher eine Art Tunneleffekt hat und das Bild dadurch kleiner wirkt. Fakt ist, dass bei 4:3 das Sucherbild der GX7 praktisch identisch groß wie das der E-M10 ist Bei 16:9, typischerweise z.B. bei Video, ist das Sucherbild der GX7 deutlich größer, als das der E-M10. Die Kritik bezüglich des Tunneleffektes habe ich im versucht, im Direktvergleich nachzuvollziehen. Dazu habe ich mir die E-M10 vor das rechte – und die GX7 um 180 Grad gedreht vor das linke Auge gehalten. Tatsächlich sind beide Bilder bei 4:3 in der Größe nicht unterscheidbar, auch scheinen sie praktisch identisch weit vom Auge weg zu sein. Sie unterscheiden sich aber einer Eigenschaft: man sieht um das Sucherbild der GX7 mehr Fläche drumherum, was den Tunneleffekt bzw. das Gefühl, dass das Bild weiter weg ist, bestärkt. Man kann sich das ungefähr so vorstellen, wie zwei Kinos. Beide haben gleich große Leinwände und man sitzt bei beiden gleich weit weg. Aber das eine Kino hat einen grösseren Saal, so dass die Wand hinter der Leinwand größer ist. Solange der Film nicht läuft, hat man möglicherweise in dem größerem Kino tatsächlich den Eindruck einer kleineren Leinwand. Sobald der Film aber läuft, nimmt man dies nicht mehr wahr. So ist das auch mit den Suchern der E-M10 und der GX7. Nach kurzer Benutzungszeit mit der GX7 nahm ich den Effekt überhaupt nicht mehr wahr.
Der Grund für den großen Raum um das 4:3-Bild ergibt sich übrigens, wenn man die GX7 in den Video-Mode schaltet. Dann nämlich wächst das Bild links und rechts bis an die Ränder und zeigt dann das grössere 16:9 Bild. Im Gegensatz zur E-M10, welche das 4:3 Sucherbild für 16:9 Darstellung dann croppt, zeigt die GX7 im 4:3-Betrieb ein gecropptes Bild, welches immer noch so groß ist wie das Vollbild der E-M10. Um im obigen Bild mit dem Kino zu bleiben, ist bei der GX7 der Effekt vergleichbar mit einem Kino, bei dem nach der Werbung links und rechts die Vorhänge aufgefahren werden um die Leinwand auf die volle Cinemascope-Breite zu bringen. Im 16:9-Betrieb ist das Sucherbild der GX7 extrem groß, ich hatte noch nie eine Kamera mit einem so großen Sucherbild.
Einen Kritikpunkt muss man dem sonst hervorragenden Sucher der GX7 aber lassen: die Augenmuschel ist weniger stark ausgeprägt als bspw. bei der E-M10. Bei viel Sonne gelangt so störend viel Licht in den Sucher und macht das Bild schwerer erkennbar. Gerade Brillenträger berichten in Foren hier von Problemen. Panasonic schafft hier Abhilfe mit der DMW-EC1GU Augenmuschel, welche für ca €14,- als Zubehör erhältlich ist. Er ist allerdings eine Schande für Panasonic, dass ein solches Stückchen Gummi, welches einen offensichtlichen Mangel behebt, bei diesem Kamerapreis nicht im Lieferumfang enthalten ist.

Fotografieren mit der GX7

Die GX7 fühlt sich immer schnell an, auch in Bereichen wo andere Kameras versagen. Der Autofokus der GX7 ist auch noch bei extrem dunklen Bedingungen treffsicher und schnell. Wenn die a57 den AF schon verweigert, und a6000 und etwas später auch E-M10 länger pumpen müssen, setzt die GX7 den AF noch schnell und auf den Punkt. Ich hatte noch nie eine Kamera, bei welcher der AF bei so geringer Lichtmenge noch zuverlässig funktioniert.
Was die Panasonic Kameras im allgemeinen auszeichnet, und so auch die GX7, sind die zuverlässigen Automatiken. So kann die GX7 auch einfach als Point & Shoot Kamera betrieben werden, praktisch wenn man die Kamera auch mal aus der Hand gibt. Die Ergebnisse der Automatik gefiehlen mir bei der GX7 sogar noch etwas besser, als bei den beiden ebenfalls mit sehr guten ausgestatteten Sony Kameras, definitiv besser als bei der E-M10 die für meinen Geschmack oft etwas daneben lag.
Als erste Panasonic Systemkamera besitzt die GX7 auch einen eingebauten Bildstabilisator (IBIS = In Body Image Stabilisation). Dieser stabilisiert zwar nur zwei Achsen, die E-M10 sogar drei davon. Auf dem Papier sollte die GX7 also unterlegen sein. Bei meinenVersuchen war der Stabilisator der GX7 aber leistungsfähiger als sein Pendant in der E-M10, bei einem anderem Test im Netz war die GX7 sogar der E-M5 überlegen.
Die Bildqualität ist in RAW von der E-M10 nicht zu unterscheiden, wenn man die Ergebnisse beider Kameras aneinander angleicht. Deutliche Unterschiede gibt es aber in den JPEG-Ergebnissen. Dabei gefallen mir die Ergebnisse der GX7 von allen hier getesteten Kameras am besten. Sehr ausgewogene und natürliche Farben, sehr ausgewogene Belichtung.
Auch bei der Videoqualität schneidet die GX7 hervorragend ab. Das verwundert wenig, Panasonic gilt als einer der Video-Experten im Kamerabereich. Nicht nur dass die GX7, neben der a6000, als einzige Kamera im Test Full-HD mit 50p aufzeichnet. Die Videoqualität ist insgesamt sehr hoch. Nebenbei wird bei 16:9 der volle Sucher benutzt, wodurch sich ein grosses und knackscharfes Sucherbild ergibt, wie oben beschrieben.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der GX7 in diesem Feld ist der elektronische Verschluss (ES = Electronic Shutter). Hierbei bleibt der mechanische Verschluss die ganze Zeit offen, wodurch auch das Verschlussgeräusch entfällt. Somit lässt sich die GX7 auch in Umbebungen, in denen keine Geräusche gemacht werden dürfen wie z.B. einigen Museen, lautlos benutzen. Auch tritt mit ES kein Shutter-Shock auf, Bilder die mit dem ES gemacht wurden sind oftmals schärfer als jene die mit mit dem mechanischen Verschluss gemacht wurden. Der ES lässt sich nicht in allen Situationen sinnvoll einsetzen: mit dem ES kann man nicht blitzen, keine Bilder über ISO3200 aufnehmen und bei Schwenks oder schnellen Bewegungen kann der Rolling Shutter Effekt auftreten. Aber in allen anderen Fällen ist der ES ein nützliches Hilfsmittel. Aktuell mache ich ca. 80% meiner Bilder mit dem ES.

Insgesamt nimmt die GX7 dem Fotografen auf Wunsch mehr Mühe ab, als alle andern Kameras im Test. Mit keiner kommt man leichter zu guten Ergebnissen, zumindest was Belichtung und Farbwiedergabe angeht. Natürlich kann man alles manuell einstellen, wenn man das dann möchte. Aber für den schnellen Schnappschuss nehme ich die GX7 lieber als jede andere Kamera im Testfeld.

Dienstag, 10. Juli 2012

Testbericht F770 vs. SX260: Video

Die Videofähigkeiten der Kompaktkameras haben in den letzten Jahren enorm zugelegt, auch Full-HD mit 1080p gehört heute fast selbstverständlich zum Lieferumfang, ebenso wie ein Windfilter für die Tonspur. Vielen ersetzt die videofähige Travelzoom-Kamera einen separaten Camcorder, so wie auch bei mir. In diesem Test müssen die beiden Kandidatinnen ihre Videofähigkeiten unter Beweis stellen.


Video 1: oben F770, unten SX260



Video 2: oben F770, unten SX260



Video 3: oben F770, unten SX260

Die ersten Vergleiche gingen eher zu gunsten der F770 oder unentschieden aus. Beim Videovergleich liegt nun die SX260 ganz klar vorne. Der Autofokus der F770 sucht lange und wird auch nicht immer fündig. Manchmal bleibt der Film auch mehrere Sekunden nachdem das Bild ruhig ist weiterhin unfokussiert. Beim Zoom ist der Zoommotor der F770 sehr deutlich zu hören, sein Pendant in der SX260 arbeitet hier wesentlich dezenter. Und selbst wenn das Bild einmal fokussiert ist, kommt die Bildqualität der F770 bei Video bei weitem nicht an die SX260 heran. Der Stabilisator der SX260 arbeitet auch bei Video hervorragend, der von Fuji wirkt eher hektisch und ist deutlich weniger effizient. Hinzu kommt, dass bei schwachen Lichtverhältnissen die Videos der F770 viel zu dunkel geraten.
Was Fuji hier abliefert ist zwar besser als bei vorherigen Modellen, aber weit unter Klassenstandard.
Die SX260 hingegen ist dagegen im Bereich Video dermassen gut, dass die meisten Anwender auf einen separaten Camcorder verzichten können.

Freitag, 15. Juni 2012

Testbericht F770 vs. SX260: Dynamikumfang

Ein Alleinstellungsmerkmal der Fuji EXR-Sensoren ist der EXR-DR Modus, bei dem die Hälfte des Sensors nur ein halb oder sogar nur ein viertel so lang belichtet wird wie die andere Hälfte. Dadurch entstehen zwei Teilbilder, die bis zu zwei Blendenstufen auseinander liegen. Die beiden Teilbilder werden dann wieder zu einem Bild zusammengerechnet, welches einen erhöhten Dynamikumfang darstellt.
Dieser Test soll zeigen, ob die Fuji dieses technische Merkmal tatsächlich in einen Vorteil umsetzen kann.






links F770, rechts SX260

Keine Überraschungen im Dynamikumfang, die F770 hat hier einen klaren Vorteil. Auch wenn die Bilder etwas täuschen, weil die Canon etwas höher belichtet. Die Fuji zeigt oft noch einen durchgezeichneten Himmel wenn die Canon schon ins weiße clippt. Beim letzten Bild verlieren die weissen Flächen am Haus bei der Canon die Zeichnung, während die Fuji hier noch Details zeigt. Auch dieser Vergleich geht klar an die Fuji Finepix F770EXR.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Testbericht F770 vs. SX260: Teleende

Der Hauptgrund für eine Travelzoom ist nun mal der große Zoombereich. Benötigt man diesen extremen Zoombereich nicht, gibt es bessere Kameras. Daher wird in diesem ersten Vergleich zunächst das Teleende beider Kameras verglichen.




 links F770, rechts SX260

Die erste Runde geht hier ganz klar an die Fuji F770EXR. Während das Canon-Objektiv zum Teleende hin stark abbaut zeigt das Fujinon-Objektiv hier ein unglaubliche Abbildungsleistung. Um das hier deutlich zu unterstreichen: viele Zoomobjektive für Systemkameras der unteren Preisklasse, die aber alleine mehr kosten als eine komplette F770 liefern hier eine schlechtere Qualität. Das ist mit Abstand das beste Travelzoom-Objektiv das ich bislang gesehen habe.

Sonntag, 13. Mai 2012

Fazit Fujifilm Finepix F770EXR im Test gegen Canon Powershot SX230 HS


- - - A C H T U N G - - -
Leider stellte sich im Nachhinein heraus, dass die F770 mit der ich getestet hatte, wohl einen leichten Defekt am Objektiv hatte. Ich habe später ein neues Exemplar bekommen, welches bessers Abbildungsleistungen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die SX230 aber nicht mehr und konnte den Test nicht wiederholen.
Ich werde voraussichtlich noch einen Vergleich zur aktuellen SX260 einstellen. Nur kurz mein Fazit vorab:
Die F770 (und ihr Nachfolger F800) sind  nach meiner Meinung die derzeit besten Superzoom-Kameras am Markt. Die Abbildungsqualität des Fujinon-Objektivs ist absolut beeindruckend und stellt selbst einige Zoom-Objektive für Systemkameras, welche mehr kosten als die komplette F770, in den Schatten.
Insofern ist der folgende Testbericht nur eingeschränkt zu gebrauchen, da aber einige Punkte auch vom Objektiv unabhängig sind, lasse ich ihn so stehen. Aktuell sind die F770/F800 meine ganz klare Kaufempfehlung!
- - - A C H T U N G - - -

Mein Testfeld für die Kompakt-Superzoom Kamera des Jahres wird ständig kleiner. Dieses Jahr gab es nahezu keine Kandidaten. Die Panasonic TZ's, früher immer sichere Kandidaten für den Titel der besten Superzoom - und mit der TZ10 die wohl immer noch beste Superzoom bis ISO200 - liefert seit der Umstellung auf CMOS-Sensoren nur noch unbefriedigende Kameras ab. So waren die im Netz verfügbaren Bilder von der TZ31 stark abschrekend, die extreme Rauschunterdrückung (NR) erinnert an einen Aquarelleffekt-Filter. Diesen gibt es bei den Sony's der HX-Serie auch schon seit Jahren dazu, und er ist nicht einmal abschaltbar. Canon's SX230-Nachfolgerin SX260 machte zwar Appetit durch den seit langem geforderten und endlich gelieferten stärkeren Weitwinkel, aber auch hier zeigten die verfügbaren Vergleichsbilder einen starken Qualitätsverlust zum Vorgängermodell. Die Angebote von Nikon im Kompaktbereich und auch Samsung fand ich seit Jahren uninteressant.
Fuji hingegen schien sich gegenüber dem Vorjahr gesteigert zu haben. Nachdem das alte Objektiv, welches von F300 bis F660 genutzt wurde immer starken Serienschwankungen ausgesetzt war, welche zu erheblichen Ecken- und Randunschärfen führten, schien das neue Objektiv trotz erweitertem Brennweitenbereich davon nicht betroffen zu sein. Und zumindest für mein Exemplar kann ich das im bestätigen. Also muss sich die F770 als einzige Kandidatin des aktuellen Jahrgangs meiner Vorjahressiegerin, der SX230 stellen. Die einzelnen Tests habe ich in den letzten beiden Wochen bereits gepostet:
  1. Fujifilm Finepix F770 Test auf Randunschärfe
  2. Fuji F770EXR Test: erste Vergleichsbilder mit der Canon SX230
  3. Fuji F770EXR Test: Vergleich mit der SX230 bei Tag
  4. Fuji F770EXR Test: LowLight-Vergleich mit der SX230
  5. F770EXR vs. SX230 hs: Fotos im Trainingssaal
  6. Fuji F770EXR Test: Videovergleich mit SX230
  7. Fuji F770EXR: Vergleich mit SX230 im Wald
  8. Test Fuji F770EXR vs. Canon SX230: was bringt RAW?
  9. Test Fuji F770EXR vs. Canon SX230 HS: Vorteil 500mm vs. 392mm?
  10. Test Fuji F770EXR vs. Canon SX230 HS: Low-Light Video Vergleich
Mit Fuji ist es immer so eine Haßliebe. Die Firma erlaubt es sich immer wieder, ein bisschen kauzig abseits des Mainstreams zu sein. Dabei kommen dann manchmal ganz tolle Kameras heraus. Wie z.B. die legendären low-light Expertinnen F30/F31. Oder der hochgradig scharf abbildende SuperCCD, der dann aber in so unzugänglichen Kameras wie der F100HS verpackt wurde. Dann wieder die F200EXR, welche für einige Zeit die Messlatte in ihrer Klasse war. Damit einher gehen aber auch immer wieder Probleme, wie z.B. die oben erwähnte Serienstreuung der Objektive oder auch bisweilen eigenartige Bedienkonzepte. Aber wenn eine Fuji gut ist, dann ist sie meistens so richtig gut. Was das Unternehmen beherrscht sind tolle Farben und Kontraste, für die man bei anderen Kameras häufig nacharbeiten muss. So hat Fuji doch viele Freunde, die es immer wieder zu Kameras dieser Marke drängt. Und auch ich kaufe immer wieder eine Fuji und hoffe, dass die tollen Eigenschaften die Macken überwiegen.

Das meiste zur F770 habe ich bereits in den zehn Einzeltests geschrieben. Hier noch ein paar Details, die nirgendwo hereinpassten. Fuji hat seiner F770 ein sehr schönes und solides Gehäuse spendiert, die SX230 sieht daneben aus wie ein billiger Plastikbomber.
Erfreulicherweise konnte Fuji die Einschaltzeit deutlich reduzieren, bei früheren F-Series häufig ein Problem. Die Einschaltzeit ist jetzt bei etwas über einer Sekunde, im Bereich dessen was ich von der SX230 gewohnt bin. Den Autofokus konnte Fuji schon seit langem richtig gut und auch bei der F770 sind die Zeiten zum Fokussieren bei Fotos nicht wahrnehmbar, ähnlich wie bei einer DSLR. Die SX230 genehmigt sich da spürbar mehr Zeit und ich habe mit der Canon schon so manchen Schnappschuss deswegen verpasst.
Fuji's Bedienkonzept gefällt mir gut und die F770 ist immer schnell. Aber kleine Hakeligkeiten gibt es dann immer noch. Im F-Menü fehlt mir z.B. die Umstellmöglichkeit auf RAW, welche tief in den Settings vergraben ist. Man könnte die Funktion auf den neuen FN-Button legen, aber den hatte ich schon für DR gebraucht.

Fazit:
Die Bilder aus der F770 sehen auf den ersten Blick meistens toll aus. Klasse Farben, gute Kontraste. Im Detail zeigen sich aber die Schwächen des Sensors. 16 Megapixel werden selbst in der APS-C Klasse selten überschritten, und das aus gutem Grund. Und so zeigen die 16mp meistens weniger Details als die 12mp der SX230.
Auch beim Stabilisator ist Fuji noch nicht dem Stand von Canon oder Panasonic. Während mit dem Canon-Stabi Belichtungszeiten bis hoch auf 1/4s oft noch gelingen, ist bei seinem Fuji-Gegenstück unter 1/15s meistens Schluss.
Erfreulich wiederum: die EXR-Automatik mit wahl des besten Motivprogramms sowie des besten DR-Modus's arbeitet mittlerweile narrensicher. Wer Wert auf Video legt, sollte sich allerdings eine andere Kamera zulegen oder alternativ einen Camcorder anschaffen. Hier ist Fuji noch ein gutes Stück vom Klassenstandard entfernt.
Sehr gut ist wiederum der Bildschirm der Fuji, eine echte Freude im Vergleich zu SX230.
Insgesamt ist die F770 keine wirklich schlechte Kamera, aber für die Spitzenklasse reicht es noch nicht. Erfreulich ist, daß Fuji die F770 in vielen Belangen gegenüber ihren direkten Vorläufern verbessert hat. Und gerade wo Canon dieses Jahr einen Rückschritt gemacht hat und Panasonic dies bereits vor zwei Jahren getan hat und noch nicht zu alter Form zurück findet, konnte Fuji einiges an Boden gutmachen.
Somit kann ich eine eingeschränkte Empfehlung für die F770EXR aussprechen.
Wer eine universelle Kamera sucht, die unter den meisten Bedingungen ordentliche Bilder macht, die auf den ersten Blick sogar sehr gut aussehen, der sollte die F770 in die engere Wahl ziehen. Auch das vorhandensein von EXR-DR oder dem Pro Low-Light Modus hilft, unter schwierigeren Bedingungen noch Fotos zu bekommen, wo andere Kameras schon Probleme bekommen können. Die Wirkung des SN-Modus' wäre zwar auch hinterher per EBV zu erhalten, aber für Nutzer die überhaupt keine EBV nutzen wollen ist der Modus eine grosse Hilfe.
Damit ist die F770 eine sehr gute Kamera für alle, die sich nicht viele Gedanken machen wollen, sondern einfach abdrücken und dafür gute Bilder bekommen möchten. Nur Video sollte nicht auf dem Wunschzettel stehen, sondern höchstens als Dreingabe angesehen werden.
Wer hingegen ein wenig Einstellung und Nachbearbeitung nicht scheut, bekommt mit der SX230 die wohl immer noch beste Kompakt-Superzoom Kamera, die zur Zeit am Markt ist. Und die nagelneue F770 wird im Moment für Preise um €300,- angeboten, während das Auslaufmodell SX230 für um die €200 über den Ladentisch geht.
Und noch eines: wenn ich mit der F770 und der SX230 in den Taschen unterwegs war und spontan ein Bild machen wollte, griff ich immer lieber zur Fuji, obwohl ich wusste dass ich mit der Canon wahrscheinlich ein besseres Ergebnis erhalte. Vielleicht schafft Fuji es ja bis zum nächsten Jahr, die F-Serie weiter zu entwickeln und z.B. die Sensorauflösung auf 14mp zu senken und auch endlich die Videoproblematik in den Griff zu bekommen. Dann könnte daraus glatt noch etwas werden.

Donnerstag, 3. Mai 2012

Fuji F770EXR Test: Videovergleich mit SX230

Video war seit langem die schwache Seite bei der Fuji F-Series. Während Canon, Panaonic, Samsung und Sony Digitalkameras bauen, die für viele als Ersatz für den Camcorder ausreichen, hinkte Fuji immer hinterher. Auch wenn seit F550EXR 1080p zum nominal Lieferumfang gehört, lag die Qualität immer deutlich hinter der Konkurrenz. Wie schlägt sich hier die neue F770EXR im Verlgeich zur sehr guten SX230?
Hier das Video der F770:


Zum Vergleich das Video aus der SX230:


Ganz offensichtlich kommt die Fuji hier nicht an die ein Jahr ältere Canon heran. Anfangs pumpt der Fokus, der Stabilisator macht einen schlechteren Job und der Zoommotor ist laut und deutlich zu hören. Selbst wenn der Fokus sitzt bleibt die F770 von den Details deutlich hinter der SX230 zurück.

Hier noch ein paar Ausschnitte aus den Filmen:



links F770 - rechts SX230

Auch wenn Fuji Full-HD 1080p als Feature bewirbt, sollte man das nur auf das Dateiformat beziehen, für die gebotenen Details reicht 720p locker aus. Der Autofokus pumpt weniger, als das noch bei der F550 der Fall war, Fuji macht hier zumindest leichte Fortschritte. In Anbetracht der Konkurrenz ist das aber zu wenig. 

Montag, 30. April 2012

Fuji F770EXR Test: Vergleich mit der SX230 bei Tag

Nachdem ich in den letzten beiden Postings zunächst einmal die Stärken und Schwächen abgeklopft habe, geht es jetzt erst einmal um ein paar Aufnahmen bei Tageslicht. Da die Canon SX-Kameras dafür bekannt sind, dass die Bilder etwas sehr soft sind, wurden die Aufnahmen mit Schärfe+1 aufgenommen
links F770 - rechts SX230

Bei diesem Bild sind die Unterschiede nicht sonderlich groß. Das Bild der F770 gefällt mir von den Farben etwas besser, das Gelb der Blume ist bei der SX230 etwas kalt. Auch in 1:1-Ansicht ergeben sich kaum Unterschiede bei den Details. Das Bild der F770 würde ich so ohne Nachbearbeitung behalten, bei dem der SX230 würde ich kurz Hand anlegen.


Auch hier auf den ersten Blick keine grossen Unterschiede. In der 1:1-Ansicht ist der Unterschied hingegen deutlich.

links F770 - rechts SX230

Hier ist zu erkennen, daß die SX230 mehr Details zeigt. Hier also Vorteil für die SX230.

links F770 - rechts SX230

Von den Details her geben sich die beiden Bilder nicht viel. Das F770-Bild ist etwas knackiger und könnte so bleiben. Das Bild der SX230 ist etwas soft und könnte etwas Nachbearbeitung vertragen. Hier also wieder leichter Vorteil F770.

links F770 - rechts SX230
Auch hier wieder ein ähnliches Ergebnis. Das Bild der F770 wirkt wieder detailierter und knackiger, das der SX230 trotz Schärfe+1 etwas flauer. Bei 1:1-Betrachtung zeigt tatsächlich aber das Bilder der SX230 mehr Details, zu sehen z.B. beim Klinker-Haus in der Bildmitte.

Die Bilder verlinken alle auf ein Album mit weiteren Bildern. Insgesamt zeigt sich durch die Bank weg folgendes: die Bilder der F770 wirken detailreicher, auch plastischer, während die Bilder der SX230 im Direktvergleich etwas flau aussehen. Beim Vergleich in 1:1-Größe zeigt die F770 bestenfalls gleichviel, teilweise aber auch weniger Details. Vermutlich erreicht Fuji das durch eine Anhebung der Mitteltonkontraste (Klarheit/Clarity bei Adobe). Ich werde das in einem der folgenden Postings mit der SX230 nachstellen

Sonntag, 29. April 2012

Fuji F770EXR Test: erste Vergleichsbilder mit der Canon SX230

Nachdem die F770 nicht die Ecken- und Randunschärfeprobleme ihrer Vorgänger geerbt hat, war jetzt die Frage, wie gut die F770 wirklich ist. Die Meßlatte ist die Canon Powershot SX230hs, die nach meiner Meinung beste Kompakt-Superzoom die es zur Zeit gibt.



Dynamikumfang: links F770 - rechts SX230 

Wie schon beim Vergleich F550 gegen SX230 im letzten Jahr kann auch die F770 zunächst aufgrund ihres EXR-DR-Modus' einen erheblich höheren Dynamikumfang geltend machen. Während der Himmel auf den Bildern der Fuji blau ist und Wolkenformationen zeigt, clippt er bei der SX230 komplett ins weiße. Zugegebenermassen hat die Fuji auch insgesamt etwas sparsamer belichtet, aber der Unterschied im Dynamikumfang ist eindeutig vorhanden.


Telezoom: links F770 - rechts SX230

Am Tele-Ende des Zoom-Objektivs hat die F770 mit 500mm gegenüber der SX230 mit 392mm natürlich einen Vorteil, wobei dieser nicht so eindrucksvoll ausfällt wie man anhand der Zahlen vielleicht denken würde. Auffällig ist auch, dass die F770 die Vignettierung besser kompensiert, als die SX230.

Weitwinkel: links F770 - rechts SX230

Gleiches gilt für den Weitwinkel, hier ist die F770 mit 25mm gegenüber 28mm bei der SX230 ebenfalls im Vorteil. Allerdings darf man auch diesen Unterschied nicht überschätzen, es passt am rechten Bildrand noch das Auto mit drauf, aber ohne direkten Vergleich würde der Unterschied kaum auffallen.

Wie zu erwarten, kann die F770 die Kapitel Dynamikumfang und Brennweitenbereich für sich entscheiden. Im den folgenden Tests zur Bildqualität wird es die F770 aber mit Sicherheit schwerer gegen die SX230 haben.

Freitag, 29. Oktober 2010

Testbericht Fujifilm Finepix F300EXR

Nachdem die Samsung WB2000 eine Enttäuschung war, rückte die Canon S95 wieder ins Zentrum meines Interesses. Allerdings hätte ich mit der Kombination S95 und meiner bewährten SX210is keine Kamera mit mehr als 28mm Weitwinkel. Ausserdem nutze ich gerne Kameras unterschiedlicher Hersteller, um einen Vergleich zu haben und nicht markenblind zu werden. Auch wollte ich ungern ganz auf eine Kamera mit Fuji's EXR-Technologie verzichten, der Vorteil beim Dynamikumfang ist schon groß.
Passenderweise brachte Fujifilm gerade die F300EXR auf den Markt, welche von der Spezifikation her einen großartigen Eindruck macht. Wenn diese in der Lage wäre, bei mir die Canon SX210 zu ersetzen, könnte ich die F200 gegen die S95 tauschen und hätte trotzdem noch eine Kamera mit EXR-Technologie und sogar eine mit 24mm Anfangsbrennweite.
Im Netz wurde die F300EXR aber eher niedergemacht, da Fuji diese nicht nur als Nachfolger für die F70/F80 positioniert, sondern auch für die F200. Viele Freunde der F200 hätten sich sicherlich eine nur behutsam verbesserte Nachfolgerin für die F200 gewünscht. Daher war bei vielen die Enttäuschung groß.
Unabhängig von der für viele ungeklärten Nachfolge für die F200, hat Fujifilm mit der F300EXR aber schon sehr viel richtig gemacht. Das beginnt mit dem Gehäuse. Obwohl es komplett aus Kunststoff ist, wirkt es wertig und liegt sehr gut in der Hand. Das schräg gestellte Einstellrad lässt sich gut bedienen. Zusätzlich hat Fujifilm um die Einstellwippe ähnlich wie bei vielen aktuellen Canon-Modellen einen Einstellring positioniert, welcher die Bedienbarkeit weiter verbessert. Auch hat das Gehäuse der F300 einen kleinen Handgriff aus rutschfestem Material und auf der Rückseite eine Daumenablage. Insgesamt ist die F300 erstaunlich handlich und gefällt mir in dieser Hinsicht besser als die SX210.
Ein wirkliches Highlight der F300 ist ihr Objektiv mit einer Brennweite von 24-360mm, mit dem man für den Großteil der fotografischen Situationen bestens gerüstet sein sollte. Leider scheint es bei Fuji wieder eine grössere Serienstreuung bei den Objektiven zu geben, denn im Netz tauchten wie schon bei der F70 und F80 wieder vermehrt Beschwerden über Ecken- und Randunschärfen auf. Meine F300 war jedenfalls diesbezüglich aber völlig in Ordnung.
Ein weiteres neues Feature, mit dem Fujifilm die F300 von der Masse abheben möchte, ist der Phasen-Autofocus, der bei ausreichend Licht den Kontrast-Autofocus ersetzt. Nun gehörte schon die F200 zu den Kompaktkameras mit dem schnellsten Autofocus, aber die F300 konnte in dieser Hinsicht noch mal zulegen und focussiert meistens noch schneller als die F200. Möglich wird dies durch einen neuen EXR-Sensor, der nun auch die Phasensensoren besitzt. Im direkten Vergleich mit der SX210 ist die F300 hier ganz deutlich im Vorteil. Auch bei spontanen Schnappschüssen sass der Fokus der F300 praktisch immer auf Anhieb und so schnell dass man es praktisch nicht mehr wahrnimmt. Die SX210 hingegen braucht dafür merklich länger und gerade bei Schnappschüssen von bewegten Objekten traf die SX210 nicht immer ins schwarze. Bei der F300 hatte ich bei hunderten von Aufnahmen genau eine einzige Fehlfokussierung, was für eine Kompakte ganz hervorragend ist.
Die F300 verfügt über einen im Gegensatz zu den Vorgängermodellen wesentlich verbesserten Bildschirm, der mit seinem hohen Kontrast und der geringen Blickwinkelabhängigkeit auch besser ist als das Gegenstück der SX210.

Der Zoommotor der F300 ist schnell und gut dosierbar. Überhaupt ist die F300 in jeder Situation schnell. Menü, Fokussierung, Zoom, Bildspeicherung: die F300 macht mit ihrer hohen Geschwindigkeit viel Freude. Das etwas altbackene Menü der Fuji’s wird zwar regelmässig kritisiert, mit der schnörkellosen Bedienung komme ich persönlich aber besser zurecht als mit der neuen Generation der Canon-Menüführung. Gerade das f-Tasten Menü bietet in jeder Situation direkt die sinnvollen Einstellungen an.
Bei der Bildqualität ergibt sich ein gemischtes Bild. Zunächst hat Fuji eine höhere Farbtemperatur gewählt, als bei den Vorgängern. Zwar gehören damit die teilweise blaustichigen Bilder der Vorgänger der Vergangenheit an, leider ist Fuji aber etwas über das Ziel hinaus geschossen und die Bilder werden nun manchmal etwas rotstichig. Die goldene Mitte wäre hier das Optimum gewesen, insgesamt gefallen mir die Farben der F300 aber besser als die der F200 und auch besser als die der SX210. Zwar lässt sich an der SX210 fast jeder Aspekt der Farben konfigurieren, dies muss das dann aber pro Situation immer mal wieder anpassen.
Leider auch über das Ziel hinaus geschossen ist Fuji mit der Rauschunterdrückung und baut behoben geglaubte Fehler wieder ein. Bei meinem Testbericht der Finepix F100fd hatte ich damals die übertriebene Rauschunterdrückung kritisiert, welche auch der Hauptgrund war weshalb ich sie zurückgab. Bei der F200 ging Fuji den umgekehrten Weg und setzte die Rauschunterdrückung für meinen Geschmack fast schon zu sparsam ein. Da die kleinen Fuji’s aber kein RAW liefern macht das Sinn, denn bei zu geringer Rauschunterdrückung kann man immer noch am Desktop nachbessern, was umgekehrt ja nicht möglich ist. Die Rauschunterdrückung der F300 ist noch stärker als jene der F100 und schlägt sogar schon bei ISO100 in den Schatten sichtbar zu. Ab ISO400 fällt die F300 dann noch mal deutlich ab, die Rauschunterdrückung schlägt hier gnadenlos zu, und liefert in Zusammenarbeit mit weiteren Bildoptimierungsverfahren einen sehr künstlich und überprozessierten Bildeindruck.
Beim Dynamikumfang schlägt dann dank EXR-Technologie die grosse Stunde der F300. Im direkten Vergleich mit der SX210 zeigt die F300 mehr Zeichnung sowohl in den Schatten, als auch in den Lichtern. Mit dem EXR-DR Modus hat Fuji ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Vorteile beim Dynamikumfang der F300 (links) vs. SX210 (rechts)
 

Auch den Bildstabilisator will Fuji verbessert haben, was bei einem Objektiv von dieser Brennweite im Telebereich auch notwendig ist. Von einer Verbesserung war aber wenig zu spüren. Bei Volltele gelang es mir zunächst überhaupt nicht, ein unverwackeltes Bild freihand zu schiessen. Zum Vergleich: mit der SX210 gelingen mir bei 392mm die meisten Bilder freihand bis zu ¼ Sekunde, ab ungefähr 1/16 sind dann mit der SX210 alle Bilder unverwackelt.
Erst mit Abschalten der Stabilisierung des Sucherbildes, gelangen die freihand Bilder bei Volltele bis ungefähr zu 1/60 Sekunde. Wenn das ausgleichende Element bereits für die Stabilisierung des Sucherbildes am Anschlag ist, verbleiben eben keine Reserven mehr um beim Auslösen noch weiter zu stabilisieren. Das können nicht nur Canon, sondern auch z.B. Panasonic deutlich besser, die im Gegensatz zu Fuji nicht den Sensor sondern das Objektiv stabilisieren.
Auch beim Blitzen macht die SX210 ein besseres Bild als die F300, bei der die Bilder immer etwas totgeblitzt aussehen. Nun blitzt die F300 nicht wirklich schlecht, aber die SX210 schafft es besser, auch bei Blitzbildern noch etwas von der vorhandenen Lichtstimmung einzufangen.
Die Videofunktionalität der F300 ist leider ein ganz dunkles Kapitel. Zwar zeichnet die F300 HD-Video mit 720p auf, die Videos sehen aber aus als hätte man die VGA-Videos der F200 einfach nur auf 720p hochgerechnet. Auch wird der Autofokus der F300 beim Filmen in der Bewegung und beim Zoomen nachgeführt, was allerdings so schlecht funktioniert, dass man die Funktion eigentlich überhaupt nicht bewerben dürfte. Der Motor des Objektivs arbeitet so laut, dass Fuji eine Option anbietet, das Mikrophon während des Zoomes abzuschalten weil man den Zoommotor ansonsten sehr laut in der Aufnahme hört. Nach dem Zoomen pumpt dann der Autofocus lange herum, bis er endlich wieder einmal scharf stellt, und auch das gelingt ihm dann nicht immer. Manchmal bleibt die Filmaufnahme auch fehlfokussiert und die F300 sieht keine Veranlassung, etwas daran zu ändern. Insgesamt lässt sich die Videofunktionaliät bei der F300 wie schon bei den vorherigen Fujifilm Kameras aus der F-Serie wieder nur als schwache Dreingabe bezeichnen.
 
High-ISO der F300 im Vergleich mit der SX210 (rechts)
 

Am Ende ist es enttäuschend, daß Fujifilm es trotz so vieler guter Ansätze nicht geschafft hat, daraus eine gute Kamera zu bauen. Was nützen das tolle Objektiv und der im Kompaktbereich einmalige Phasen-Autofocus, wenn die Software der Kamera im Postprocessing die Bilder verschlimmbessert. Bis ISO200 geht die Bildqualität noch in Ordnung, muss sich aber ausser beim Dynamikumfang der SX210 geschlagen geben. Dabei ist es mir unverständlich, warum die F300 solch starke Rauschunterdrückung betreibt. Im Vergleich zur SX210 besitzt sie einen größeren Sensor, auf dem sich eine etwas kleinere Pixelanzahl befindet. Die daraus grösseren Sensorpixel sollten einer Rauschneigung entgegenwirken. Haben sich bei Fuji die Liebhaber glattgebügelter Bilder durchgesetzt und betreiben die übertriebene Rauschunterdrückung ohne Not, oder ist Fuji mit seiner eigenen Sensorentwicklung dermassen weit hinter den Mitbewerb zurückgefallen, das die EXR-Sensoren trotz physikalisch besserer Vorraussetzungen bzgl. der Pixelgrösse so viel mehr Rauschen, dass diese extreme Rauschunterdrückung notwendig ist?
Mir kann die F300 meine SX210 auf keinen Fall ersetzen, schon alleine wegen der schlechteren Bildqualität, aber auch wegen des unbrauchbaren Videomodus’. Im Gegensatz zur WB2000 würde ich die F300 jetzt nicht als Totalausfall einstufen. Wer überwiegend bei Sonne fotografiert, wem der schnelle Autofokus, der hohe Dynamikumfang und das Objektiv mit einem unschlagbarem Brennweitenbereich mehr Wert ist als eine gute Bildqualität und wer den Videomodus nicht wirklich benutzt, der kann mit der kleinen Fuji recht zufrieden sein.
Wenn man aber überlegt, was bei den vielen guten Ansätzen aber aus der F300 hätte werden können, kann man nur sagen: schade Fuji, wirklich schade.

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